BioSuck - Abfälle absaugen und Wasser sparen

Pressemitteilung / 25.2.2015

Bei der Herstellung von Lebensmitteln fallen riesige Mengen an nicht essbarem Ausschuss wie Schalen von Zitrusfrüchten und Kartoffeln oder Blut aus der Fleischindustrie an. Ihre Entsorgung als Abfall oder zusammen mit dem Schmutzwasser und auch die hygienische Säuberung von Gerätschaften führen zu einem enormen Abwasseraufkommen. Fraunhofer UMSICHT arbeitet zusammen mit einer internationalen Arbeitsgruppe im Projekt BioSuck an der Umgestaltung des Abfallmanagements in der Lebensmittelindustrie. Durch die Absaugung anfallenden Abfalls mittels Vakuumtechnologie fällt weniger Abwasser an, was Entsorgungskosten senkt. Gleichzeitig lässt sich der über Vakuumrohre hygienisch transportierte und konzentrierte Abfall anschließend gezielt für bioenergetische Zwecke nutzen oder bei entsprechender Zusammensetzung recyceln. Im Projekt werden ein System und Richtlinien für Entscheider aus der Lebensmittelindustrie entwickelt, die Informationen darüber geben, wann und wo die Installation von Vakuumleitungen zur Abfallsammlung angebracht ist.

BioSuck: Weniger Abwasser plus hohes Reststoffrecycling in der Lebensmittelindustrie.
© Foto Fraunhofer UMSICHT

BioSuck: Weniger Abwasser plus hohes Reststoffrecycling in der Lebensmittelindustrie.

Absaugventil einer Vakuumleitung zur Abfallsammlung.
© Foto Bilfinger Water Technologies GmbH

Absaugventil einer Vakuumleitung zur Abfallsammlung.

BioSuck
© Foto Fraunhofer UMSICHT

Nachhaltigkeit steigern, Geld sparen

Qualität ist in der Lebensmittelindustrie besonders wichtig. Verbraucher verlangen heutzutage nicht nur ein einwandfreies Produkt, sondern auch eine verantwortungsvolle Fertigung und einen bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen. Fraunhofer UMSICHT arbeitet zusammen mit vier Projektpartnern aus dem In- und Ausland an der Optimierung des Abfallmanagements in der Lebensmittelindustrie. Durch die Installation von Vakuumleitungen zum Abfalltransport können Unternehmen neben Wasser ­–­ teilweise bis zu 50 bis 80 Prozent (abhängig vom Industriezweig) – auch Kosten zur Abwasserentsorgung einsparen. Bei der Abfallsammlung mithilfe von Unterdruck gelangen Lebensmittelreste durch ein den Auflagen der Lebensmittelindustrie entsprechendes Rohrsystem hygienisch und schnell an eine Sammelstelle. Restabfälle lassen sich durch Verbrennung nutzen, in Fermentierungsanlagen in Biogas oder Bioethanol umwandeln oder mittels hydrothermaler Carbonisierung (HTC) in ein braunkohleähnliches Produkt aufwerten. Weiterhin ist es möglich, die Nährstoffe der konzentrierten organischen Abfälle direkt in die Industrie zurückzuführen oder aber als Ausgangsstoff für nährstoffreichen Dünger zu nutzen. Die dünnen Vakuumleitungen lassen sich platzsparend an der Decke von Technika anbringen, vermeiden Geruchsbelästigungen und sind ohne großen Aufwand an Änderungen im Produktionsprozess anpassbar. Zudem ist das System gegenüber Ungeziefer und Nagern geschlossen, was einen weiteren signifikanten Vorteil besonders innerhalb der Lebensmittelindustrie darstellt.

Unterstützungssystem für Entscheider der Lebensmittelindustrie

Das Projekt BioSuck ist nicht einseitig auf die wirtschaftliche Dimension ausgerichtet, sondern möchte Kunden auch hinsichtlich eines nachhaltigen Images unterstützen. Hierfür entwickelt das Projektteam Richtlinien und ein System, das Entscheider aus der Lebensmittelindustrie in strategischen Entscheidungen und Planungen bezüglich der Ressourcenwirtschaft unterstützt.

Für die Datenbasis des Systems werden neben Daten aus der Literatur, die Abfallströme gängiger Lebensmittelindustrien (Getränke, Milchprodukte, Fleisch, Fisch usw.) spektralanalytisch auf Nährstoffe untersucht. Zusätzlich werden praxisnahe Fallstudien in das Entscheidungsunterstützungssystem integriert. Hierfür konzipiert Fraunhofer UMSICHT ein Testpilotsystem zur Abfallkonzentrierung durch Vakuumtechnologie, das die praktische Anwendung in einem kleinen Maßstab simuliert. Die aus den Werten zu realisierende Datenbank wird darstellen, wo genau Abfall anfällt, wie sich dieser am besten sammeln lässt und wie eine weitere Verwertung aussehen kann. Vorgesehen sind darüber hinaus eine Nachhaltigkeitsanalyse der eingesetzten Technologien und Prozesse in Form einer Lebenszyklusanalyse sowie die Beurteilung von Umweltauswirkungen. Basierend darauf wird die Datenbank nachhaltige Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen.

Das Projekt BioSuck wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis Ende August 2017 gefördert (Förderkennzeichen: 031A433A). Fraunhofer UMSICHT ist Koordinator des Projekts. Wissenschaftliche Partner sind die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens (NTNU) und das Institut für Ökologie in Gewerbegebieten (IETU) unter der Leitung des Umweltministeriums in Polen. Die Industrie ist durch IWR Ingenieurbüro für Wasserwirtschaft und Ressourcenmanagement GmbH und die Bilfinger Water Technologies GmbH vertreten.