Interview

Neue Formen der Kältetherapie

Pressemitteilung / 20.4.2017

Dr. rer. nat. Stefano Bruzzano ist seit 2008 bei Fraunhofer UMSICHT tätig. Der Physikochemiker weiß, dass die Markteinführung von im Labor entwickelten Produkten meist nur durch die Zusammenarbeit mit Anwendern gelingt. Für die Entwicklung eines neuartigen Kältesprays haben Bruzzano und sein Kollege Andreas Sengespeick, Spezialist für Formulierungstechnik, mit dem Sportmedizinischen Institut Dortmund (SMIDO GmbH) kooperiert und so die physikochemische Kompetenz von Fraunhofer UMSICHT mit medizinisch-anwendungstechnischem Wissen verbunden.

© Foto Fraunhofer UMSICHT

Physikochemiker Dr. Stefano Bruzzano forscht zu neuen Formen der Kälteherapie.

Wie kam es zum Projekt im Bereich der Kältetherapie?

In der (sport-)medizinischen Kälteanwendung ist es vorteilhaft, eine »sanfte« Kälteeinwirkung zwischen 5 und 15 °C über einen möglichst langen Zeitraum für 20 bis 30 Minuten zu realisieren. Im Dialog mit Medizinern der SMIDO GmbH haben wir jedoch erkannt, dass herkömmliche Produkte diese Anforderungen derzeit nicht erfüllen.   

Wie sieht der von Ihnen entwickelte Lösungsansatz aus?

Um auf die Defizite zu reagieren, haben wir im Rahmen eines ZIM-Vorhabens des BMWi mit der SMIDO GmbH ein Kältespray entwickelt, das auf einer PCM-haltigen Dispersion basiert. Diese sogenannten Phasenwechselmaterialien (PCM) nutzen die Enthalpie von Reaktionen wie dem Aufschmelzen von Eis zu Wasser zur Speicherung und Freisetzung von Wärme. Verknüpft man diesen Phasenwechsel mit dem abkühlenden Verdampfungseffekt eines Kältesprays, so kann hierdurch u. a. der erzeugte Kältereiz über das eintretende Erstarren und erneute Aufschmelzen des PCM in gewünschter Weise verlängert werden.

Welche Vorteile bringt das neue Produkt?

Bei herkömmlichen Kältesprays sind häufig Unterkühlungs- bzw. Erfrierungs-Effekte auf der Haut zu beobachten, da diese Produkte zwar nur kurz, dafür aber besonders intensiv kühlen. Mit unserer Lösung steht erstmals ein funktional neuartiges Kältespray zur medizinischen Erstversorgung und Schmerztherapie zur Verfügung, das eine lange sowie sanfte und somit therapeutisch richtige Kühlung ermöglicht. Gleichzeitig erlaubt das Produkt durch die Sprühfunktion dem Patienten eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Partner?  

Die physikochemische Grundlage des Kältesprays haben wir patentrechtlich geschützt. Da es sich dabei um ein Medizinprodukt handelt, benötigen wir für die Folgeschritte in der Wertschöpfungskette die Kompetenz der SMIDO GmbH. Nach Abschluss des gemeinsamen Entwicklungsvorhabens wird diese die wirtschaftliche Verwertung des Kältesprays übernehmen, d. h. die Kontaktaufnahme zu möglichen Herstellern, die Markteinführung sowie den Vertrieb. Für die Zukunft ist außerdem ein gemeinsames Folgeprojekt geplant, um die Formulierung an die Bedürfnisse verschiedener Anwender wie Sportler und Mediziner anzupassen. Unsere Arbeit und die von SMIDO ergänzen sich somit optimal. 

 

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