Interview

Dr. Nina Kloster, Leiterin Fraunhofer-inHaus-Zentrum

Räume für Visionen

Intelligente Gebäudetechnik, neuartige Baumaterialien, elektronische Assistenzen – mit dem Fraunhofer-inHaus-Zentrum steht in Duisburg eine Innovationswerkstatt, in der die Potenziale von Forschungsinstituten und Wirtschaftspartnern gebündelt werden. Immer im Fokus: der Mensch und seine Bedürfnisse. Dr. Nina Kloster, die neue Leiterin und ehemalige UMSICHTlerin, über diesen außergewöhnlichen »Prototypen«.

Dr. Nina Kloster.
© Foto Fraunhofer-inHaus-Zentrum

Dr. Nina Kloster.

Mögen Sie uns zum Einstieg ein paar Stationen Ihres bisherigen Werdegangs nennen?
Nach dem Studium an der Universität Duisburg-Essen ging es 2010 zu Fraunhofer UMSICHT. Dort war ich sechs Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig, habe in der Abteilung »Systemische Produktentwicklung« verschiedene Forschungs- und Entwicklungsprojekte geleitet und stand der Forschungsgruppe »Medizin, Technik, Design« vor. Die anwendungsnahe Arbeitsgruppe entwickelt und untersucht als interdisziplinäre Schnittstelle ganzheitliche Produkte und Anwendungskonzepte. Zielsetzung ist dabei die Steigerung der individuellen Lebensqualität und die intensive Beschäftigung mit den Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt. Damit waren neuartige Assistenzsysteme, präventive Produkte und Systeme für die Medizin-, Sport- und Gesundheitsbranche ein Schwerpunkt meiner bisherigen Arbeit. Parallel zur Tätigkeit bei Fraunhofer UMSICHT habe ich an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz Medizin studiert und meine Promotion zum Thema Biofilmmechanik aufgenommen, die ich Anfang 2016 abgeschlossen habe.

Seit 1. Januar 2016 leiten Sie das inHaus in Duisburg. Wie verlief der berufliche Wechsel?
Ich habe die Nachfolge von Volkmar Keuter angetreten, der aktuell bei Fraunhofer UMSICHT die Abteilung Photonik und Umwelt leitet. Das Konzept des inHaus-Zentrums, als Plattform für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu fungieren, fand ich von Beginn an äußerst spannend. Das inHaus ist thematisch sehr breit aufgestellt und auf den Menschen und seine Bedürfnisse fokussiert, was ebenso auf meine Arbeit zutrifft. Gerade bei der Initiierung neuer Projekte kann ich meine Erfahrung im Bereich Gesundheit und Komfortaspekte einbringen.

Wie ist das inHaus in die Fraunhofer-Gesellschaft integriert?
Das inHaus, mit einem Team von perspektivisch 15 Personen, ist eine Abteilung des Fraunhofer IMS – jedoch mit relativ eigenständigem Charakter. Es ist eine 5500 m² große Netzwerkplattform und wird von gut 120 Partnern aus Industrie und Forschung unterstützt. Aus der Fraunhofer-Gesellschaft sind zurzeit neben dem IMS das ISST und UMSICHT beteiligt. Die Partner können das inHaus nutzen, um in einer realitätsnahen Umgebung Produkte zu entwickeln, zu testen und zu demonstrieren. Im inHaus2 verfügen wir z. B. über ein 350 m² umfassendes Krankenhauslabor, über Hotel- und Büroräume sowie einen mit smarter Technologie ausgestatteten Wohnbereich für pflegebedürftige Menschen.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation am inHaus ist …
… die Entwicklung eines intelligenten Wäschemanagements für Krankenhäuser, das in Zusammenarbeit eines Schrankherstellers mit dem Fraunhofer ISST entstanden ist. Dank integrierter Hygienekomponente lässt sich der zugehörige Wäscheschrank nur nach erfolgtem Desinfizieren öffnen. Das Produkt wurde mittlerweile um weitere Varianten etwa für OP-Besteck erweitert.

Wie flexibel ist das inHaus?
Sehr flexibel. Das gesamte Haus, bestehend aus inHaus1 und inHaus2, ist ein Prototyp, in dem wir jede Wand entfernen, verschieben oder neue Wände einziehen können. Es gibt im Garten eine Modell-Doppelhaushälfte, unser inHaus1. Zusammen mit Dr. Holger Wack, stellv. Leiter der Abteilung Materialsysteme und Hochdrucktechnik bei Fraunhofer UMSICHT, arbeiten wir gerade an Konzepten für deren Begrünung und Dämmung. Das IMS könnte die Technikausstattung übernehmen, etwa die Installation von Bewässerungssensoren.
Doch nicht nur unsere Räumlichkeiten können flexibel an immer neue Projekte angepasst werden, auch unser Veranstaltungskonzept wird ab diesem Jahr durch das Angebot der Organisation und Durchführung von Innovationsworkshops für die Pflegebranche erweitert. Innovative Pflegetechnologien entstehen nämlich häufig aus der Weiterentwicklung bereits existierender Produkte und werden mit mangelnder Berücksichtigung von Nutzeranforderungen auf den Markt gebracht. In unseren Innovationsworkshops entwerfen wir Instrumente und Tools, mit denen Anwender frühzeitig in den jeweiligen Entwicklungsprozess integriert werden. Damit wollen wir fortan die Basis für interdisziplinäre Forschung und Entwicklung bilden und eine Anlaufstelle für Unternehmen zur Identifikation von Anforderungen, Produktdesigns, Prototypen und Forschungsideen werden.

Wird in Zukunft jedes Gebäude mit smarter Technologie ausgestattet sein?
Smarte Technologien in Gebäuden wie fernsteuerbare Rollläden und Licht zählen bereits heute zum Stand der Technik. Ähnlich wie bei den Apps werden uns Apple, Google und Co. vermehrt vorschreiben, was wir für Smart-Home-Technik nutzen sollen. Ich glaube langfristig jedoch nur an Plug-and-Play- und Funklösungen, da diese im Vergleich zu kabelgebundenen Systemen weitaus flexibler sind. Besonders spannend sind für mich Technologieideen für das smarte Heim, die sich adaptiv und flexibel an die Lebensumstände ihrer Bewohner anpassen, auf emotionale Gegebenheiten reagieren oder gar selbst eine gewisse Emotionalität innehaben. 

Interview vom 11.01.2017