Leander Grunwald im Gespräch

»Unsere Forschung ermöglicht eine Auslegung zukünftiger Quartiere und vereint sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Ziele«

Interview /

Der Schwerpunkt des Fraunhofer UMSICHT im Projekt »OHD@Bochum-Weitmar« liegt auf der integralen Quartiersplanung. Was das heißt, erläutert Leander Grunwald im Interview.

Die Projektpartner beim Gang durch das Quartier in Bochum-Weitmar.
© Vonovia/Bierwald
Die Projektpartner beim Gang durch das Quartier in Bochum-Weitmar.

Was ist das Besondere an dem Projekt »ODH@Bochum-Weitmar«?

Leander Grunwald: »Das Besondere ist die enge Verknüpfung der intensiven Forschungsarbeiten und der Entwicklungen im Quartier in Bochum-Weitmar. Das Quartier profitiert damit direkt von neuen Technologien für eine erneuerbare, energieeffiziente und kostengünstige Energieversorgung vor Ort. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wiederum können die Erkenntnisse und Messdaten aus der Praxis noch während des Projektes in die Entwicklung der Lösungsansätze und Modelle einfließen lassen.«

Wie profitieren die Menschen in dem Quartier von den Entwicklungen, und wie sind sie in den Prozess eingebunden?

Leander Grunwald: »Zum einen werden die Menschen im Quartier zukünftig von einer Energieversorgung profitieren, bei der die kostengünstige Nutzung erneuerbarer Energiequellen für Strom und Wärme optimiert wird. Zum anderen werden durch Entwicklungen im Projekt neue E-Mobility-Angebote im Quartier möglich. Für die Menschen vor Ort sollen die vielfältigen technischen Möglichkeiten zukünftig in Form von neuen Angeboten in einer App einen echten Mehrwert generieren.«

Welchen Part wird das Fraunhofer UMSICHT übernehmen?

Leander Grunwald: »Schon heute müssen in der Quartiersplanung zahlreiche Varianten bei der Wahl der Erzeugungstechnologien, Energienetze und Effizienzmaßnahmen berücksichtigt werden. In Zukunft kommen mit E-Mobility-Lösungen, neuen Geschäftsmodellen, der Interaktion mit den Energiemärkten und nicht zuletzt dem Wunsch nach klimaneutralem Wohnen neue Anforderungen auf die Quartiersplanung zu. Das Fraunhofer UMSICHT entwickelt im Rahmen des Projektes eine integrale Quartiersplanung, die diese komplexe Aufgabe unter Nutzung von mathematischen Optimierungen lösbar machen soll. Damit wird eine Auslegung zukünftiger Quartiere ermöglicht, die sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Ziele vereint.«

Wie lassen sich die Ergebnisse auf andere Quartiere übertragen?

Leander Grunwald: »Bochum-Weitmar ist ein Quartier mit einem hohen Anteil an Bestandsgebäuden, die nicht nur für das Ruhrgebiet typisch sind. Die Übertragung auf andere Quartiere haben wir uns als wichtigen Aspekt in den Arbeitsplan geschrieben, damit ODH@Bochum-Weitmar eine Blaupause für viele weitere Quartiere in Deutschland werden kann.«