BauCycle: Recycling von Baustoffen

Innovativer Lösungsansatz schont Ressourcen und schafft neue Wertstoffe für den Bausektor

© Fraunhofer UMSICHT

Sortierung von Bauschutt

Feinmaterial als kritische Fraktion von Bauabbruch kann dank BauCycle künftig recycelt werden.

© Fraunhofer IBP

BauCycle-Prozess

Recycling-Baustoffe können wieder in den ursprünglichen Baukreislauf zurückgeführt werden.

Projektziele

Um die in mineralischen Baustoffen verwendeten wertvollen Rohstoffe wie Sand oder Kies wiederzugewinnen und sie in den Produktionskreislauf zurückführen zu können, wird eine neuartige Verwertung für feinkörnigen Bauabbruch entwickelt. Heterogener Bauschutt kann wieder in Bauprodukte überführt werden.

Nutzen

Die Baubranche gehört in Deutschland zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren. Jährlich setzt sie rund 600 Millionen Tonnen an mineralischen Baurohstoffen ein. Der bundesweite Gesamtbestand an Bauwerken ist mit rund 100 Milliarden Tonnen inzwischen ein bedeutendes Rohstofflager, dessen Bestandteile nach Nutzungsende über ein gezieltes Recycling wieder dem Stoffkreislauf zugeführt werden könnten. BauCycle hat sich als Ziel gesetzt, insbesondere für die heute noch nicht wieder nutzbaren Feinfraktionen mineralischer Bauabfälle (kleiner 2 mm) neue und wirtschaftlich attraktive Verwertungsoptionen zu entwickeln.

Seit Anfang 2016 untersucht ein Forschungskonsortium, wie sich Ressourcenschutz, die hochwertige Verwertung von Baustoffen und die intelligente Stoffstromsteuerung miteinander verzahnen lassen. Recyclingbaustoffe sollen in die ursprüngliche Wertschöpfungskette zurückgeführt werden. Auf diese Weise können verarbeitende Unternehmen den Einsatz von Primärrohstoffen reduzieren und nachhaltiger Bauen. Aus einer heutigen »Problemfraktion« kann in Zukunft ein echter Wertstoff generiert werden. Ein weiterer Vorteil von BauCycle: Der Verknappung von Deponierraum wird entgegengewirkt.

Mantelverordnung des BMUB

An Aktualität gewinnt das Projekt zudem durch die geplante neue Mantelverordnung unter Federführung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Kern der Mantelverordnung ist die Ersatzbaustoffverordnung, die den Einsatz von mineralischen Ersatzbaustoffen in technischen Bauwerken bundeseinheitlich und rechtsverbindlich regeln soll. Aktuell geführte Diskussionen um Grenzwerte könnten dazu führen, dass etablierte Verwertungswege wie Straßen- und Deponiebau nicht mehr zur Verfügung stehen, wodurch der Bedarf an neuen Verwertungswegen steigt.

Für die nach der Sortierung vorliegenden Fraktionen gibt es verschiedene Ansätze zur Herstellung von Bauteilen. Mögliche Recyclingwege und Verwertungspotenziale sind die Nutzung als Sekundärrohstoff für Porenbeton oder die Herstellung von Granulaten für den Einsatz in akustisch aktiven Bauteilen z. B. im Bereich Lärmschutz. Des Weiteren arbeiten die Wissenschaftler an der Entwicklung zementfreier Bindemittel als Alternative zu den herkömmlich verwendeten Materialien.

Produktentwicklung, Sortiertechnologie, Vermarktung

Die aus den BauCycle-Prozessen entstehenden Produktwertschöpfungsketten unterscheiden sich insbesondere im Bereich der Rohstoffbeschaffung deutlich von den bisher im Bausektor vorhandenen Modellen. Begleitend wird daher eine dynamische Marktplattform im Sinne einer Rohstoffbörse entwickelt. Sie erfasst das Angebot von Recyclingfirmen und den Bedarf von Recyclingmaterial verarbeitenden Unternehmen – und unterstützt dadurch die Markteinführung der Produkte. BauCycle kombiniert somit die drei Geschäftsfelder Produktentwicklung, Sortiertechnologie und Vermarktung.

 

Projektpartner

  • Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
  • Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML
  • Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB