MARELITT Baltic EU Projekt: Recycling von Fischernetzen

Logistik und Wirtschaftlichkeit beim Recycling von Geisternetzen

© Fraunhofer UMSICHT

Geisternetz an der portugiesischen Küste

Illegal entsorgte Fischernetze werden auch als Geisternetze bezeichnet.

© Fraunhofer UMSICHT

Aufbereitetes Netzmaterial

Eine stoffliche Verwertung von ausrangiertem Netzmaterial ist das Ziel.

Projektziele

Illegal entsorgte oder verloren gegangene Fischernetze, die im Meer treiben oder am Meeresgrund liegen, werden »Geisternetze«1 genannt. Tiere können sich in ihnen verfangen und sterben. Zudem stellen Geisternetze, die zumeist aus verschiedenen Kunststoffen gefertigt sind, eine Quelle für Mikroplastik dar und sind eine Gefahr für marine Ökosysteme. Das Recycling von Geisternetzen sowie ausrangierten Fischernetzen2 und anderem Fanggerät ist bisher eine logistische und prozesstechnische Herausforderung. Im Auftrag des WWF Deutschland wurde im Rahmen des Projekts MARELITT Baltic3 vom Fraunhofer UMSICHT eine Studie4 erstellt, wie im Ostseeraum das Recycling von Geisternetzen und ebenso von ausrangierten Fischernetzen gestaltet werden kann.

Nutzen

Fischernetze werden hauptsächlich aus Kunststoff hergestellt, insbesondere aus Polyamid (Nylon). Aber auch andere Arten von Polymeren werden bei der Herstellung von Schleppnetzen und Stellnetzen verwendet, was die Netze reißfest und langlebig macht. Treiben herrenlose Netze im Meer, können sich Tiere darin verfangen. Netze können zudem eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen und sind eine Eintragsquelle von Mikroplastik in das aquatische Ökosystem. Ein wichtiger Aspekt zur Lösung dieser Problematik ist die Etablierung einer Verwertungskette sowohl für ausgediente Fischernetze als auch für geborgene Geisternetze. Eine koordinierte Erfassung und Logistik sollen im Ostseeraum mittelfristig dazu führen, dass eine möglichst stoffliche Verwertung von ausrangiertem Netzmaterial erleichtert und die geordnete Entsorgung von geborgenen Geisternetzen sichergestellt werden.


Im Rahmen der UMSICHT-Studie sollte untersucht werden, welche Voraussetzungen im Hinblick auf Logistik und Recyclinginfrastruktur notwendig sind, um erfasste Fanggeräte einer Kreislauf- und Abfallwirtschaft langfristig und gesichert zuführen zu können. Dazu wurde der deutsche Ostseeraum mit Übertragbarkeitspotenzial auf andere Anrainerstaaten der Ostsee untersucht. Dabei wurden bestehende Informationen und Erfahrungen der Partnerländer des MARELITT Baltic-Projekts als Grundlage genutzt. Zunächst wurde eine Mengenabschätzung zu EOL und ALDFG gemacht. Anschließend wurden mögliche logistische Erfordernisse wie die Erfassung und Sammlung des Materials in Verbindung mit Aufbereitungs- und Verwertungspfaden verknüpft. Mit Hilfe von Interviews mit Expertinnen und Experten entlang der möglichen Wertschöpfungskette wurden die Herausforderungen diskutiert, bewertet und eingeordnet. Ein dezentraler und ein zentraler Ansatz für das Recycling wurden miteinander verglichen. Die Kartierung mittels Geoinformationssystemen (GIS) ermöglichte eine genaue lokale und regionale Betrachtung der Optionen im deutschen Ostseeraum auf Basis der vorhandenen Verkehrs- und Kreislaufwirtschaftsinfrastruktur.

 


[1] Engl. Abandoned, Lost and Discarded Fishing Gear (ALDFG)
[2] Engl. End-of-Life Fishing Gear (EOL)
[3] https://www.marelittbaltic.eu/
[4] Study as part of the MARELITT Baltic project: Recycling of Abandoned, Lost and Discarded Fishing Gear (ALDFG) and End-of-Life Fishing Gear (EOL): Sub-studies on logistics requirements and economic viability, R. Bertling, J. Nühlen, Fraunhofer UMSICHT Oberhausen, March 2019.

 

Ergebnis

Im Projekt konnte eine Vielzahl an Akteuren aus betroffenen EU-Ländern entlang der Prozesskette interviewt werden, so dass hieraus ein klares Bild zum Status quo der Verwertung bzw. der Entsorgung von EOL (End-of-Life Fishing Gear) und ALDFG (Abandoned, Lost and Discarded Fishing Gear) resultierte und die Arbeiten des EU-Interreg-Projekts MARELITT Baltic sinnvoll ergänzt werden konnten. Ergebnis: Die Sammlung von Netzmaterial wird überwiegend durch Fischereien und Häfen geleistet. Die Entsorgungswege sind in den Partnerländern sehr verschieden. Sie reichen von der einfachen Entsorgung durch Deponierung bis zur Sammlung und Vorsortierung im Hafen mit angeschlossener Feinsortierung in einer Sortieranlage. Am häufigsten werden die Netze dem Gewerbemüll zugeführt. In kleinen Fischereihäfen werden geborgene und ausrangierte Netzmaterialien in Restmülltonnen gesammelt und mit dem Hausmüll entsorgt. Die klassischen Entsorgungswege werden durch Initiativen (z. B. FF Norden) und NGO-Angebote flankiert. Die GIS-basierte Analyse hat gezeigt, dass eine geordnete stoffliche und energetische Verwertung im Ostseeraum möglich ist, diese jedoch einer intelligenten Logistik bedürfen.


Die Empfehlungen der Studie umfassen die Einbindung aller Akteure entlang der Prozesskette, eine gezielte Sammlung mit monetären Anreizen, eine Bereitstellung der Entsorgungsinfrastruktur und den Aufbau eines Pfand- und Rücknahmesystems. Weitere Ergebnisse können im Bericht online nachgelesen werden.