Vertikale Begrünung im urbanen Raum

Modulares System kombiniert flexible Bauweise mit positiven Eigenschaften für das Stadtklima und ausgezeichnetem Lärmschutz

© Fraunhofer UMSICHT

Modulsystem

Kräuterwand auf der Landesgartenschau Würzburg 2018.

Projektziele

Immer mehr Menschen leben in Städten. Begleiterscheinungen sind u. a. Luftverschmutzung durch Verkehrsaufkommen und hohe Geräuschpegel. Um eine hohe Lebensqualität zu sichern und diese weiter zu optimieren, bedarf es entsprechender Lösungen: Zunehmend rückt die Begrünung des urbanen Raums und urbaner Infrastrukturen ins Blickfeld von Architektur, Planungs- und Bauwesen. Es besteht zum einen der Wunsch, grüne Flächen als gestalterisches Element zu verwenden, zum anderen verspricht man sich von der Begrünung positive Einflüsse auf Sauerstoffproduktion, CO2-Bindung und Luftreinhaltung. Hinzu kommen energetische Einsparpotenziale und positive Auswirkungen auf das Mikroklima, bedingt durch die dämmende und kühlende Wirkung von bepflanzten Flächen sowie positive Auswirkungen auf die Biodiversität durch das Schaffen neuer Lebensräume.

Nutzen

Zusammen mit Partnern hat das Fraunhofer UMSICHT spezielle Elemente auf Basis eines mineralischen Werkstoffs (Kalksandstein) für den Bau von bodenungebundenen begrünten Wänden entwickelt. Der mineralische Werkstoff eignet sich durch seine optimierten saugfähigen und flüssigkeitsspeichernden Eigenschaften ideal für derartige Anwendungen. Die einzelnen Elemente sind mit Pflanzrinnen versehen und werden zu einem Modulsystem verbaut. Die Rinnen werden mit Pflanzsubstraten befüllt und können anschließend eingesät oder bepflanzt werden. Die Pflanzen wachsen nach vorne aus den Bauelementen heraus und bedecken die vertikale Fläche. Für die Begrünung eignen sich je nach gewünschtem Begrünungstyp unterschiedlichste Pflanzenarten. Insbesondere Gräser erzielen einen Begrünungserfolg bereits nach 2 bis 3 Wochen.

Die Bewässerung erfolgt von oben, wobei aufgrund der Flüssigkeits-Transporteigenschaften des Steins das Wasser in der Wand allein durch Schwerkraft nach unten geführt wird und so alle Pflanzrinnen erreicht. Das mindert den Aufwand für die Pflege der Pflanzen erheblich. Bei Bedarf können einzelne Steinlagen auch separat bewässert werden.

Durch den Einsatz einzelner Bauelemente ist das System skalierbar, sodass sich beliebig große Flächen erstellen lassen. Die Anwendungsgebiete reichen von der Wandverkleidung- und Begrünung über die Nutzung als gestalterisches Element oder begrünte Trennwand bis zum vertikalen Gärtnern. Kleinteilige Module können schon im Größenbereich von Balkonen oder Terrassen für die Bepflanzung oder als Kräutergarten genutzt werden.

Ergebnis

Die Bauelemente ermöglichen durch ihren Aufbau eine wirtschaftliche und industrielle Herstellung in Serie. Bislang sind Pilotsysteme in Castrop-Rauxel (UNIKA), im spanischen Orihuela Costa (biolit) und in Oberhausen (Fraunhofer UMSICHT) zu Forschungszwecken installiert – mit überzeugenden Praxisergebnissen. Aktuell abgeschlossenen Messungen zum Lärmschutzverhalten bestätigen dem System ausgezeichnete Werte.

In nachfolgenden Arbeiten begleitet das Fraunhofer UMSICHT die Realisierung von Begrünungsobjekten. Im Fokus stehen hier insbesondere Untersuchungen zum Verhalten des Systems im Hinblick auf die Mikroklimaverbesserung und Kühlwirkung im urbanen Raum.

Projektpartner

  • Biolit Vertical Green®
  • UNIKA – Ruhrbaustoffwerke GmbH & Co. KG