Interview mit Frank Koch

Der Schöpfer des UMSICHT-Auges

Interview vom 03.06.2020

Dr. Frank Koch | ehem. Verwaltungsleiter
Dr. Frank Koch | ehem. Verwaltungsleiter

Wie sind Sie zum UMSICHT gekommen, und in welcher Position haben Sie beim UMSICHT angefangen?

Frank Koch: Als ich zum UMSICHT kam, gab es UMSICHT eigentlich noch gar nicht, denn die formale Institutsgründung hatte noch nicht stattgefunden. Wie viele Absolventen an der Universität suchte ich nach dem Studium eine Stelle als Lehrstuhlassistent, um meine akademische Laufbahn mit der Promotion fortzuführen. Auf der Suche kam ich auch zum Lehrstuhl Thermische Verfahrenstechnik von Professor Weinspach. Der hatte allerdings an seinem Lehrstuhl keinen Platz mehr frei für weitere Assistenten. Im Laufe des Gesprächs erzählt er mir dann von seinen Plänen, ein neues Forschungsinstitut in Oberhausen zu gründen. Der Name stand noch nicht fest; nur, dass es bei der Fraunhofer-Gesellschaft angesiedelt sein sollte. Für das Institut brauche er Leute, die es mit der Promotion nicht eilig haben, denn er wusste noch aus der Zeit der Gründung der Universität Dortmund, dass alles immer viel länger braucht als anfangs gedacht. Ich fand diese Herausforderung trotzdem sehr reizvoll.

So fing ich am 1. März 1990 zunächst an der Universität Dortmund als wissenschaftlicher Mitarbeiter an. Eine meiner ersten Aufgaben bestand darin, das Institutslogo zu entwerfen. Da der Name noch nicht feststand (es waren auch Ideen wie FUTURE oder FORSICHT im Umlauf), entwarf ich zunächst diverse Schriftzüge. Aber schließlich sollte es doch UMSICHT heißen. Prof. Weinspach wünschte sich „was mit einem Auge und Umwelt“. Und so kam ich auf die Idee mit der Weltkugel als Iris in einem Auge und dem Schriftzug darüber. Dieses Logo drehte sich noch viele Jahre auf dem Dach des Institutsgebäudes, musste dann aber irgendwann dem CD-Konzept der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Zeitgeist weichen.

Als dann schließlich das Institut auch formal gegründet war, zogen wir (wir waren mittlerweile auf fünf Personen angewachsen), in die Büros beim Kraftwerk Sterkrade. Ab dann war ich der Verwaltungsleiter und sollte mich um alle organisatorischen Dinge kümmern. Zu meiner Seite stand Bernd Dietz. Zunächst wurden wir zur Fraunhofer-Zentrale nach München geschickt, um die Basics zu Buchhaltung, Beschaffung und weiteren Verwaltungsdingen zu lernen. Als Ingenieure mussten wir erstmal begreifen, dass Konten nicht nur Sparkonten sind, sondern auch bei der Buchhaltung eine Rolle spielen. Aber das klappte mit der Zeit immer besser, zumal uns auch die Verwaltungsleiterin des IML in Dortmund hilfreich zur Seite stand. Ab dem 1. Januar 1991 hatte ich dann auch einen offiziellen Arbeitsvertrag bei der Fraunhofer-Gesellschaft.

Aber Sterkrade war nur ein Notbehelf. In Gesprächen mit der Stadt und den ansässigen Großunternehmen suchte Prof. Weinspach nach besseren Räumlichkeiten, und so kam es, dass wir nach einigen Monaten eine neue Bleibe beim Thyssen Betriebsrat an der Osterfelder Straße 65 fanden. Aber auch hier gab es nur Büros und keine Labore, so dass an wissenschaftliches und vor allem experimentelles Arbeiten nicht zu denken war.

Nach weiteren Gesprächsrunden gab es das Angebot, in die ehemalige Lehrwerkstatt von Thyssen an der Osterfelder Straße 3 einzuziehen, die schon länger leer stand. Prof. Weinspach dachte anfangs noch daran, dass man mit ein bisschen neuer Farbe an den Wänden aus der Werkstatt ein Labor und aus den Klassenzimmern Büros machen konnte, aber zum Glück konnten wir als seine Mitarbeiter, aber auch die FhG ihn davon überzeugen, dass man das Schulgebäude doch besser abreißen und die verbleibende Werkstatt um ein neues Bürogebäude und einen neuen Labor- und Technikumstrakt ergänzen solle.

Während der Zeit des Neubaus war ich in die Planungen eingebunden und hatte auch die Bauaufsicht seitens UMSICHT inne. Gleichzeitig galt es, die Büroausstattung für die mittlerweile rund 30 und die künftigen Kollegen zu planen. Die Krönung war dann die Planung des Umzugs, der dann reibungslos von statten ging. Nach dem Bezug des neuen Gebäudes gab ich dann den Job des Verwaltungsleiters an Bernd Dietz mit einem lachenden und einem weinenden Auge ab, aber Prof. Weinspach wollte, dass ich endlich mit meiner wissenschaftlichen Arbeit begann. Diese schloss ich dann 1996 mit meiner Promotion ab.

Gibt es Ereignisse oder auch Forschungsergebnisse, die Ihnen aus Ihrer Zeit am Fraunhofer UMSICHT besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Frank Koch: Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die Jahre der Gründung und des Aufbaus vom UMSICHT, bevor wir das neue Gebäude bezogen. Alles war eine einzige Improvisation. Erstaunlich, dass alle so lange durchgehalten hatten und nicht entnervt aufgaben. Aber es war auch eine unglaublich spannende und lehrreiche Zeit, wo vieles organisiert werden musste, und die so gar nichts mit einer typischen, eher wissenschaftlich orientierten Institutsarbeit zu tun hatte. Davon profitiere ich noch heute.

Wo liegt Ihr aktueller fachlicher/beruflicher Schwerpunkt?

Frank Koch: Ich arbeite seit 20 Jahren beim Netzwerk Brennstoffzelle und Wasserstoff der EnergieAgentur.NRW und bin seit dessen Gründung dabei. Wie damals beim UMSICHT war auch hier etwas Neues aufzubauen, und wie beim UMSICHT dauert es auch diesmal viel länger als ursprünglich gedacht und geplant. Aber mittlerweile zeichnet es sich ja ab, dass Wasserstoff das Zukunftsthema schlechthin ist, und die Netzwerkarbeit Früchte trägt.

Was verbinden Sie mit dem UMSICHT?

Frank Koch: Heute verbinden mich mit dem UMSICHT noch viele Dinge:  Zum Teil arbeiten einige meiner damaligen Kollegen der ersten Stunde immer noch beim UMSICHT wie z. B. Görge Deerberg und Andreas Schröder. Ich habe auch viele Jahre nach meinem Weggang immer noch an den berühmt-berüchtigten Weihnachtsfeiern teilgenommen, um den Kontakt aufrechtzuerhalten und über die alten Zeiten zu schwadronieren. Aber auch beruflich gibt es einige Berührungspunkte: Neben der Batterieforschung arbeitet beim UMSICHT nun auch im Bereich Wasserstoff und Brennstoffzellentechnik, und so begegnet man sich auch im beruflichen Umfeld immer häufiger.