Interview mit Jochen Nühlen

Breiter Diskurs zu Kunststoffverpackungen und zur Circular Economy#

Interview vom 05.06.2020

Jochen Nühlen | Business Development Polymerwerkstoffe
© Markus Laghanke
Jochen Nühlen | Business Development Polymerwerkstoffe

Für welche Aufgaben sind Sie als Business Developer genau zuständig?

Jochen Nühlen: Als Business Development Manager für das Geschäftsfeld Polymerwerkstoffe bin ich Ansprechpartner für die Verwertung von UMSICHT-Themen im Kunststoffbereich. Ich begleite die Umsetzung von Projekten im Polymerbereich in die industrielle Praxis, unterstütze die Entwicklung von FuE-Dienstleistungen für das Themenfeld aus strategischen Gesichtspunkten und bewerte aktuelle Trends, Entwicklungen und Bedarfe aus Gesellschaft und Industrie für unsere UMSICHT-Teams. Dabei bin ich sowohl Kontakt für alle Kolleginnen und Kollegen am Institut als auch für unsere Partner und Interessenten aus der Wirtschaft. Die Aufgaben sind also so vielfältig wie die Leistungen und Projekte am Institut – es wird also nie langweilig.

Was kennzeichnet den Markt, für den Sie zuständig sind?

Jochen Nühlen: Der Markt der Polymerwerkstoffe ist vor allem vielseitig. Vielseitig insbesondere in der Hinsicht der weit verbreiteten, allgegenwärtigen Anwendungsbereiche und den damit verbundenen Anforderungen aus den dazugehörigen Branchen. Vielseitig aber auch im Hinblick auf die Herausforderungen, vor denen dieser Markt steht. Vor allem in den letzten Jahren sind Kunststoffe und deren Anwendungen im Zuge globale Treiber wie dem Ressourcen-, Klima- und Umweltschutz stark in den gesellschaftlichen und damit auch politischen Fokus gerückt. Insbesondere der breite gesellschaftliche und politische Diskurs zu Kunststoffverpackungen ist exemplarisch für den Druck und beginnenden Umbruch. Maßgeblich ausgelöst durch Meldungen zu Mikroplastik  und den Herausforderungen der Abfallwirtschaft, prägt spätestens mit der Ende 2018 veröffentlichten Kunststoffstrategie der EU auch das Thema der Circular Economy den Markt. Doch Verpackungen sind nur ein Verwendungszweck unter vielen und genauso vielseitig wie die genannten Herausforderungen in dem konkreten Beispiel sind auch die Chancen für Polymerwerkstoffe und deren Anwendungen. Bioabbaubare Polymere, der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen bis hin zu neuen zirkulären Geschäftsmodellen mit innovativen Recyclingkonzepten sind wesentliche aktuelle Entwicklungen. Wir bieten als nationale Informationsstelle für nachhaltige Kunststoffe und Leiter des Fraunhofer Cluster Circular Plastics Economy CCPE als einer der wenigen Wissensträger im Kunststoffsektor Know-how von der Entwicklung und Synthese von Polymeren, deren Funktionalisierung und Musterproduktion bis hin zur ökobilanziellen Bewertung und Geschäftsmodellentwicklung. Damit sind wir gut aufgestellt und adressieren sowohl die Anforderungen aus der Industrie als auch die Herausforderungen von Politik und Konsumenten.

Was zeichnet einen Business Developer insbesondere aus?

Jochen Nühlen: Ein gutes Business Development sollte bewusst bestehende Verwertungspfade hinterfragen sowie Fähigkeiten und Wissen am Institut gezielt neu verknüpfen. Dafür muss immer auch im Dialog der Bedarf aus Industrie und Gesellschaft erfasst und herausgearbeitet werden. Diesen Bedarf zu übersetzen und als Bindeglied und Vernetzer zwischen Markt und Forschung zu fungieren, ist aus meiner Sicht Kern des Business Development. Nur so können bestehende Geschäftsfelder weiterentwickelt, aber insbesondere auch neue Wertschöpfungsketten erschlossen werden. Das Business Development sollte daher vor allem dadurch gekennzeichnet sein, dass es nie statisch verläuft, sich kreativ und flexibel auf die jeweilige Anforderung des zu bearbeitenden Themas einlässt und spezifische Lösungsansätze erarbeitet. Kommunikationsfähigkeit, Organisationstalent und Querschnittswissen sind meiner Meinung nach ebenso wichtig wie Neugier und keine Angst vor neuen Denkweisen. Im Business Development muss man aus meiner Sicht vor allem aber auch Teamplayer sein, denn der enge Austausch mit Abteilungen und Gruppen, aber auch mit Partnern ist essentiell.

Welche Kenntnisse bringen Sie für diese Tätigkeit mit?

Jochen Nühlen: Durch mein vorheriges Arbeitsfeld im Bereich des Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagements habe ich in vielen Jahren Einblicke sowohl in unterschiedliche Bereiche beim UMSICHT, die Fraunhofer-Gesellschaft, aber auch in diverse Industrieunternehmen und Branchen erhalten. Die zuvor von mir bearbeiteten Themenfelder der Recyclingwirtschaft, der Circular Economy sowie des Umweltmanagements erfordern interdisziplinäres Wissen, branchenübergreifendes Denken und Systemverständnis. Abteilungs- und themenübergreifendes Arbeiten ist mir daher sehr vertraut. Den Hintergrund kann ich für meine jetzigen Aufgaben gut einbringen, zumal die genannten Themen insbesondere im Bereich der Kunststoffwirtschaft und Polymerforschung stark an Bedeutung gewinnen. Auf der anderen Seite habe ich schon immer sehr gerne in der Ideenfindung und Projektakquise, Koordination und Kommunikation gearbeitet und bringe gerne Menschen mit guten Ideen zusammen.