Erster Nachhaltigkeitsbeauftragter der Fraunhofer-Gesellschaft

Interview / 20.2.2015

Als Leiter der Gruppe Nachhaltigkeitsbewertung/-management liefert Dr. Markus Hiebel mit seinem Team u. a. Entscheidungshilfen in der Produktentwicklung und Informationen über Massen- und Energiebilanzen. Seit September 2012 ist er Nachhaltigkeitsbeauftragter von Fraunhofer UMSICHT – der zu diesem Zeitpunkt erste innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft.

Dr. Markus Hiebel

Dr. Markus Hiebel ist seit September 2012 Nachhaltigkeitsbeauftragter von Fraunhofer UMSICHT – der zu diesem Zeitpunkt erste innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft.

Wie hat sich die Bedeutung von Nachhaltigkeit in den letzten Jahren verändert?

Das Thema Nachhaltigkeit hat mittlerweile einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft erreicht, da unsere herkömmliche Wirtschaftsweise an ökologische und gesellschaftliche Grenzen stößt. Ein ungesteuertes und unendliches Wachstum ist in einer Welt endlicher Ressourcen nicht möglich. Hier muss ein Prozess des Umdenkens stattfinden: Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren einen großen Erkenntnisfortschritt in der Erfassung der komplexen Zusammenhänge zwischen Produkten und Umweltwirkungen (z. B. Klimawandel) und gesellschaftlichen Auswirkungen (z. B. Akzeptanz von Anlagen für erneuerbare Energien) gemacht.

Was sind die Aufgaben eines Nachhaltigkeitsbeauftragten bei Fraunhofer UMSICHT?

Zu meinen Aufgaben zählen die Begleitung und Umsetzung von konkreten Verbesserungsmaßnahmen in Bezug auf Nachhaltigkeit am Institut, die Koordination und konzeptionelle Fortschreibung des alle zwei Jahre erscheinenden Nachhaltigkeitsberichts und die Mitwirkung in Gremien. Vor kurzem wurde der Fortschrittsbericht unseres Utopia-Changemaker-Manifestes veröffentlicht, eine freiwillige Selbstverpflichtung für eine nachhaltige Unternehmensführung. Zur Identifikation von wesentlichen Berichtsthemen haben wir im letzten Jahr erstmalig einen Stakeholderdialog durchgeführt und die Anforderungen von Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft an unser Institut erfasst.

Was waren erste wichtige Ziele, die seit Ihrem Amtsantritt erreicht worden sind?

Wir sind mit unseren Nachhaltigkeitsthemen nach außen präsenter geworden. Der Nachhaltigkeitsbericht für die Jahre 2012/2013 wurde zum ersten Mal nach dem Standard der Global Reporting Initiative GRI G4 erstellt. Die GRI ist der führende Standard für die Nachhaltigkeitsberichtserstattung. Was mich besonders freut, ist, dass das Thema in der Fraunhofer-Gesellschaft an Bedeutung zunimmt. Fraunhofer UMSICHT beendete im letzten Jahr das Fraunhofer-weite Projekt zur Erstellung eines Leitfadens für Nachhaltigkeitsberichte, in dem neben dem Leitfaden Lehrmodule und Arbeitshilfen für andere Fraunhofer-Institute und eine Plattform zum Austausch von Best-Practice-Maßnahmen erstellt wurden. Seit letztem Jahr läuft das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt »LENA – Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement«. In diesem Verbundprojekt arbeiten Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und Leibniz-Gemeinschaft daran, Nachhaltigkeit in außeruniversitären Einrichtungen besser zu verankern.

Wie integrieren Sie Nachhaltigkeit in Ihr Leben?

Ich bin z. B. Mitglied einer Solargenossenschaft, trenne Abfall und beziehe Öko-Strom. Um Veränderungsprozesse anzustoßen, engagiere ich mich, wie oben genannt, auch stark am Institut. Hierzu gehört u. a. die Mithilfe bei der Organisation von öffentlichen Debatten am Institut, z. B. zum Thema Fairtrade, oder die Mitarbeit an einem Schülerkurs für das Oberhausener Sophie-Scholl-Gymnasium, in dem Schülerinnen und Schüler an das Thema Nachhaltigkeit herangeführt werden.