Nachlese

Interdisziplinärer Austausch zur Integration biologischer Prinzipien in der Wirtschaft

Pressemitteilung / 2.12.2019

Das Museum für Naturkunde Berlin hält eine große Zahl von Exponaten für die Besucher bereit. Fossilien von Sauriern, präparierte Säugetiere und eingelegte Fische zeigen den Museumsgästen die Vielfalt und Komplexität der Natur auf eindrucksvolle Weise. Doch kann die Natur auch Inspiration und Vorbild für Technik und Wirtschaft sein? Um diese Frage zu diskutieren, kamen in der beeindruckenden Kulisse des Museums am 21. und 22. November 2019 im Rahmen der Tagung »Biologische Transformation – Interdisziplinäre Grundlagen für die angewandte Forschung« Experten verschiedener Fachdisziplinen zusammen. Themen der Vorträge waren die Grenzen zwischen Biologie und Technik, die Übertragung des Evolutionsbegriffs, Ethik und Nachhaltigkeit.

Eröffnung der Tagung
© Fraunhofer UMSICHT
Eröffnung der Tagung zur Biologischen Transformation durch Thomas Marzi vom Fraunhofer UMSICHT.
Führung durch das Museum
© Fraunhofer UMSICHT
Führung durch das Museum für die Tagungsteilnehmer.
Konserviertes Wissen
© Fraunhofer UMSICHT
Konserviertes Wissen: Bei der Tagung tauschten sich Biologen und Ingenieure mit Ökonomen, Sozial- und Kulturwissenschaftlern aus.

Aktuell wird in der Forschungspolitik und angewandten Forschung zunehmend der Gedanke diskutiert, biologische Komponenten oder Prinzipien in technische und wirtschaftliche Abläufe zu integrieren. Dies schließt bionische Produktentwicklungen, die Bioökonomie als Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und Biotechnologie sowie den Zusammenschluss von Mensch und Maschine (Robotik, Künstliche Intelligenz) mit ein. Es ist also ein interdisziplinärer Ansatz, von dem viele Experten die Entwicklung neuer Technologien erwarten, die das Potenzial haben auch erhebliche Beiträge zum Klimaschutz zu leisten. Da auch gesellschaftliche Veränderungen bei Anwendung der jeweiligen Technologien zu erwarten sind, sind verschiedene Fachbereiche gefragt, um die Technologien so zu entwickeln, dass sie zu einer nachhaltigen Gesellschaft, die ethisch verantwortlich handelt, beitragen. Die interdisziplinäre Reflektion, die auf der Tagung vorgenommen wurde ist hierzu ein wichtiger Schritt, dem weitere folgen sollen. Veranstaltet vom Fraunhofer UMSICHT, dem Museum für Naturkunde Berlin und dem Zentrum für Medizinische Biotechnologie der Universität Duisburg-Essen gab es einen ersten Austausch.

Fachliche Grenzen überwinden

Nicht wenige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erwarten, dass die Entwicklungen das Potenzial haben, umfassende Änderungen in Technik, Wirtschaft und Gesellschaft anzustoßen, deren Auswirkungen heute noch nicht zu überblicken sind. Das Thema betrifft somit eine große Zahl unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen, die sich zu Dialog und Diskussion bei der Tagung trafen, um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Zu ihnen gehörten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Ingenieur- und Naturwissenschaften, Bionik, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie sowie Technik- und Biophilosophie.
»Bei einer biologischen Transformation spielen Aspekte eine Rolle, die mit Natur und Technik aus Bereichen stammen, die meist eher als Gegensätze wahrgenommen werden. Wenn ethische Bewertungen vorgenommen und Aussagen zur Nachhaltigkeit getroffen werden sollen, ist deshalb auch eine interdisziplinäre Reflektion erforderlich«, sagt Thomas Marzi, Organisator der Veranstaltung und Mitarbeiter beim Fraunhofer UMSICHT.

Natur, Technik und Evolution für eine nachhaltigere Wirtschaft

Eine wichtige Rolle bei der Tagung spielte das Verständnis von Begriffen wie Natur oder Transformation. Im Mittelpunkt des Austausches stand dabei immer wieder der Begriff Evolution und ob es möglich ist, den Begriff auf andere Bereiche, beispielsweise Ökonomie und Technik zu übertragen. »Es ist selten, dass ein Biologe, ein Philosoph, ein Psychologe und ein Ingenieur direkt nacheinander auf einer Tagung Vorträge halten. Hier ist der interdisziplinäre Austausch sehr interessant und fruchtbar«, sagt Bionikerin Leandra Hamann vom Fraunhofer UMSICHT.
Zum Abschluss hatten die Teilnehmer Zeit, weitere Aspekte im Rahmen eines World Cafés zu erarbeiten. Natürlich mussten bei der Tagung noch viele Fragen offenbleiben, die weiter diskutiert werden müssen. Doch das Leitbild ist klar: eine nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist vorgesehen, die Beiträge der Tagung im kommenden Jahr zu veröffentlichen.