water meets … Future

Wasser bedeutet Leben!

Pressemitteilung / 2.4.2019

»water meets … Future« – die neunte Tagung der Veranstaltungsreihe »water meets … X« – wurde dieses Jahr gemeinsam mit der EnviroChemie GmbH durchgeführt und hat einen Blick auf die Zukunft industrieller und kommunaler Prozess- und Abwasserströme geworfen.

Roof Water-Farm – Gebäudeintegriertes Wasserrecycling.
© Fraunhofer UMSICHT

Roof Water-Farm – Gebäudeintegriertes Wasserrecycling.

Roof Water-Farm: Salatanbau.
© Fraunhofer UMSICHT

Roof Water-Farm: Salatanbau.

Aus Schwarzwasser wird hochwertiger Pflanzendünger.
© ROOF WATER-FARM/Erwin Nolde

Aus Schwarzwasser wird hochwertiger Pflanzendünger.

Der Sommer 2018 forderte Deutschland heraus: Wir verzeichneten schlechte Ernteerträge als Folge fehlender Niederschläge und steigende Heizöl- und Kraftstoffpreise wegen sinkender Pegel der Wasserstraßen. Dabei gibt es Wasser in großen Mengen, nur nicht immer in der richtigen Qualität.

Fraunhofer UMSICHT widmet sich seit zehn Jahren innovativen Ansätzen zur Aufbereitung von Wasserressourcen. Im April startet ein mehrjähriges Forschungsprojekt, das einen Paradigmenwechsel in der klassischen kommunalen Abwassertechnik einleiten soll. Volkmar Keuter, Leiter der Abteilung Photonik und Umwelt beim Fraunhofer UMSICHT, berichtete in seinem Vortrag über die Transformation der heute bekannten Kläranlage in hochfunktionale Newtrient®Recovery Center: Eine Symbiose von etablierter Kläranlagentechnik mit moderner Nahrungsmittelproduktion (40 t Gemüse p. a.) in kontrollierter Umgebung.

Prof. Angela Million, Fachgebiet Städtebau und Siedlungswesen an der Technischen Universität Berlin, stellte die ROOF WATER-FARM vor, in der Gurken, Tomaten, Salate und Erdbeeren angebaut werden. Das Einmalige an dem System ist, dass die Pflanzen Bewässerungswasser und Flüssigdünger erhalten, die aus häuslichen Abwässern extrahiert werden.

Digitalisierung in der Siedlungsentwässerung

Die allgemeinen Nutzungspotentiale von Abwasser in Städten veranschaulichte Prof. Grietje Zeeman, Emeritus Professor in »New Sanitation«, Wageningen (NL), an verschiedenen Beispielen niederländischer Städte. In Sneek etwa kommt bereits seit 2011 in 250 Häusern neueste Technik in Form einer dezentralen Abwasseraufbereitungsanlage zum Einsatz. Einen Eindruck davon, wie weit die Schweizer Forschung in der Digitalisierung der Siedlungsentwässerung ist, gab Frank Blumensaat, Eidg. Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung, Gewässerschutz Eawag, Dübendorf (CH). Er nutzt in seinem urbanhydrologischen Feldlabor LoRaWAN (Low Range Wide Area Network), um verschiedene Daten aus Kanalsystemen in Echtzeit zu sammeln und auszuwerten.

Digitalisierung war auch ein kontrovers diskutiertes Thema in den Sessions zur industriellen Abwassertechnik. Joachim Vasen von der Currenta GmbH und Christoph Blöcher von der Covestro AG waren sich einig, dass sich die Pioniere der Digitalisierung nicht von Rückschlägen und rechtlichen/betrieblichen Hemmnissen entmutigen lassen. Vielmehr sollten in kleinen Schritten Maßnahmen von der Automatisierung zur Digitalisierung in den Betrieben ausprobiert werden; allgemein wird bereits mehr Wasser recycelt als hinlänglich angenommen wird.

Mehr mit rechtlichen als technischen Hindernissen hat auch die Milchindustrie zu kämpfen. Alvaro Carozzi, Dr. Steinle GmbH, ist es zwar in mehrjähriger Forschungsarbeit gelungen, Brüdenkondensate zur Wiederverwendung aufzubereiten – hierfür sind allerdings strenge rechtliche Auflagen zu beachten. Dass Spurenstoffe auch in der Industrie ein Thema sind, präsentierte Gerd Sagawe, EnviroChemie GmbH. Sein Lösungsvorschlag: AOP-Advanced Oxidation Processes, die selbst endokrine Substanzen eliminieren können.

Zum Abschluss der eher technisch orientierten Veranstaltung hat Prof. Claus Leggewie, Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) an der Justus-Liebig-Universität Gießen, den Teilnehmenden nochmals den Blick für die gesellschaftspolitische Dimension von Wasser geöffnet. Denn Wasser bedeutet Leben!