BioDisKo

Nachhaltige Bioökonomie: Mehr Mitbestimmung und Kommunikation

Pressemitteilung / 25.6.2019

Seit jeher nutzen Menschen die Natur – etwa um aus Pflanzen Nahrungsmittel, Kleidung und Medizin zu erzeugen oder Energie zu gewinnen. Das Ziel einer nachhaltigen Bioökonomie ist es, eine biobasierte Wirtschaftsweise zu etablieren, um Herausforderungen wie dem Klimawandel und knapper werdenden Rohstoffen entgegenzuwirken. Das Verbundprojekt »BioDisKo« unterstützt das Vorhaben durch die aktive Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Expertinnen und Experten zur Erprobung von Dialogverfahren.

Andere Form des Protokolls: Graphical Recording des ersten »Bürger*innenrats« als Wandplakat.
© Lara Listens und Jakob Kohlbrenner
Andere Form des Protokolls: Graphical Recording des ersten »Bürger*innenrats« als Wandplakat.
Bioökonomie-Experten und Bürger im Austausch zum Thema »Biobasierte Wirtschaft in NRW«. Wie ist eine nachhaltige, regional-biobasierte Wirtschaft möglich, und wie sollte diese gestaltet sein?
© Julia Reinermann, KWI
Bioökonomie-Experten und Bürger im Austausch zum Thema »Biobasierte Wirtschaft in NRW«. Wie ist eine nachhaltige, regional-biobasierte Wirtschaft möglich, und wie sollte diese gestaltet sein?

Der Umbau zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Wirtschafts- und Lebensweise ist eng verknüpft mit der effizienten Nutzung von nachwachsenden und biobasierten Rohstoffen. Diese Entwicklung innovativ und zukunftsfähig zu gestalten, erfordert bei allen Beteiligten die frühzeitige Berücksichtigung verschiedener Sichtweisen und Erfahrungen. Gerade im Kontext der Bioökonomie müssen bei der Produkt- bzw. Prozessentwicklung bereits in einem frühen Stadium sämtliche Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette einbezogen werden, um rechtzeitig kritische Handlungsfelder zu erkennen. Das Verbundvorhaben »Bioökonomische Nutzungspfade – Diskurs und Kommunikation« (BioDisKo) bindet alle Interessensgruppen durch geeignete Partizipations- und Kommunikationselemente aktiv mit ein. »Neue Lösungsansätze der Biomassenutzung sollen so aufbereitet werden, dass sie in den Innovations- und Transformationsprozess zur Förderung der nachhaltigen Bioökonomie eingebracht werden können«, heißt es in der Projektbeschreibung.

Einbindung in Produktentwicklung und Bewertung des Rohstoffanbaus

Vielversprechende Lösungen für das Zukunftsfeld der biobasierten Kreislaufwirtschaft sehen die Beteiligten in neuen Ansätzen und Maßnahmen der dialogorientierten Bürger- und Stakeholderbeteiligung sowie in der Kommunikation durch Nutzung geeigneter Medien und Formate. Personengruppen mit unterschiedlichen Ansprüchen und deren Wissen sollen in die Produktentwicklung und Bewertung des Rohstoffanbaus eingebunden werden. Im Rahmen von BioDisKo werden die hierfür notwendigen Maßnahmen konzipiert, erprobt und bewertet. Hierzu zählt z. B. die vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT entwickelte Stakeholder-Interaktionsanalyse »SHIA« zur systematischen Ableitung kritischer Punkte entlang von Prozessketten. Die gesammelten Informationen lassen sich gezielt zur Entwicklung und Durchführung von Verfahren zur partizipativen Technikfolgenabschätzung (pTA) seitens des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) einsetzen. In einem nächsten Schritt werden geeignete Kommunikationsmittel und Beteiligungsformate abgeleitet, die verständliche und sachgerechte Informationen bereitstellen – mit dem Ziel, einen informierten Dialog in der Öffentlichkeit zu stärken und fundierte politische Entscheidungen vorzubereiten.

Auswirkungen auf Mensch und Umwelt

Das Projektkonsortium, bestehend aus Fraunhofer UMSICHT, KWI, Forschungszentrum Jülich und IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, wird in der Projektlaufzeit Bürgerinnen und Bürger, Expertinnen und Experten aktiv einbeziehen. Gemeinsam betrachten und analysieren sie für die Erarbeitung einer allgemeingültigen, methodischen Herangehensweise ökologische, biotechnologische, verfahrenstechnische und ökonomische Entwicklungspfade für Biomasseprodukte sowie mögliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Exemplarisch werden der Biomassepfad »Mais« – mit hoher Bekanntheit und kontrovers diskutiert – und der neue Biomassepfad »Sida hermaphrodita« für die Pilotregion Nordrhein-Westfalen an ausgewählten Fallbeispielen betrachtet. Die Ergebnisse fließen direkt in die weitere wissenschaftliche Arbeit ein und münden in Empfehlungen, die verantwortungsvolle Entscheidungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Sinne der »Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030« unterstützen.

Förderhinweis
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit ca. 1,5 Millionen Euro.