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»Ich habe meine Promotion in unter drei Jahren abgeschlossen – das war eine der schnellsten Doktorarbeiten bei Fraunhofer UMSICHT«

Interview /

Vor zehn Jahren ist die UMSICHT Research School an den Start gegangen. Zielsetzung: Doktorandinnen und Doktoranden auf dem Weg zur Promotion zu begleiten – und das innerhalb von drei bis vier Jahren. Dass sich das Konzept der Research School bewährt hat, zeigen die Zahlen: Bislang haben fast 90 Absolventinnen und Absolventen ihre Dissertation erfolgreich abgeschlossen. Mit einigen von ihnen haben wir über ihre Erfahrungen gesprochen – darunter Dr. Christian Geitner.

Dr. Christian Geitner
Dr. Christian Geitner ist nach seiner Promotion bei Fraunhofer UMSICHT geblieben und forscht im Verbundprojekt Carbon2Chem®.

Warum hast du dich entschieden, deine Doktorarbeit bei Fraunhofer UMSICHT zu schreiben?

Christian Geitner: Nach meinem Maschinenbaustudium in Bochum habe ich überlegt, wie ich meine Leidenschaft für eigenständiges Arbeiten und wissenschaftliche Herausforderungen weiter vertiefen kann. Die Promotion erschien mir als idealer Weg, Verantwortung für ein eigenes Projekt zu übernehmen und die Ergebnisse selbst zu vertreten. Fraunhofer UMSICHT ist zudem in der Nähe meines Studienorts – durch eine Exkursion im Rahmen einer Vorlesung habe ich das Institut kennengelernt und war direkt begeistert von der praxisnahen Forschung und den modernen Laboren. Später habe ich eine Stellenausschreibung entdeckt, die perfekt zu meinem Interessensgebiet Modellierung und Simulation passte. Die Möglichkeit, in einem interdisziplinären Team an aktuellen Fragestellungen zu arbeiten, hat mich überzeugt – und so bin ich bei UMSICHT gelandet.

 

Kannst du konkretisieren, was sich hinter Modellieren und Simulieren verbirgt?

Christian Geitner: Modellierung und Simulation ist sehr vielseitig. Es gibt datengetriebene Modelle (zum Beispiel mit Künstlicher Intelligenz und Machine Learning) und physikalisch basierte Modelle, die auf bekannten Naturgesetzen beruhen. Besonders spannend finde ich die sogenannten Kontinuumsmodelle: Hier werden Prozesse wie Strömungen oder Konzentrationsverteilungen simuliert, ohne einzelne Atome zu betrachten – man arbeitet mit einer »einheitlichen Masse«. Diese Modelle werden mit Differentialgleichungen beschrieben und sind im Maschinenbau weit verbreitet. Mit Tools wie Aspen oder COMSOL habe ich chemisch-technische Prozesse abgebildet – das war schon Thema meiner Masterarbeit und wurde in der Promotion weiter vertieft.

 

Worum ging es in deiner Promotion konkret?

Christian Geitner: Ich habe im Rahmen des Verbundprojekts Carbon2Chem® promoviert. Ziel war es, Hüttengase aus der Stahlerzeugung weiterzuverwenden und nachhaltige Prozesse zu entwickeln. Mein Schwerpunkt lag auf der Gasreinigung, speziell der Adsorption in elektrisch beheizten Festbetten – idealerweise mit grünem Strom. Ich habe den Prozess modelliert und simuliert, um zu zeigen, wie sich die Effizienz und Nachhaltigkeit darstellen. Die experimentelle Umsetzung hat mein Kollege Martin Peters übernommen, während ich mich auf die theoretische Seite konzentriert habe.

 

Wie sah die Zusammenarbeit zwischen Theorie und Experiment aus?

Christian Geitner: Die Verzahnung von Modell und Experiment war von Anfang an geplant: Einer entwickelt das Modell, der andere liefert die experimentellen Daten zum Abgleich. Leider gab es bei der Entwicklung der Anlage einige Herausforderungen, sodass nicht immer alle gewünschten Daten zur Verfügung standen. Deshalb habe ich mein Modell vor allem mit Literaturdaten validiert – das ist in Forschungsprojekten durchaus üblich, wenn neue Anlagen entstehen und die Experimentaldaten noch nicht vollständig vorliegen.

 

Wie lange hast du an deiner Doktorarbeit gearbeitet?

Christian Geitner: Ich habe meine Promotion in unter drei Jahren abgeschlossen – das war tatsächlich eine der schnellsten Doktorarbeiten bei Fraunhofer UMSICHT.

 

Wie hat dich die UMSICHT Research School unterstützt?

Christian Geitner: Ich war einer der ersten, der von der Research School profitiert hat. Sie war für mich eine große Hilfe, besonders beim Strukturieren der Arbeit und beim Schärfen der wissenschaftlichen Fragestellung. Der externe Coach hat immer wieder wichtige Impulse gegeben, zum Beispiel: »Was ist das Neue an deiner Arbeit?« oder »Hast du eine Forschungslücke identifiziert?« Der Austausch mit anderen Promovierenden und das gegenseitige Feedback auf Texte haben mir geholfen, den roten Faden zu finden und meine Argumentation zu stärken.

 

Was hat die Research School für dich besonders ausgemacht?

Christian Geitner: Die regelmäßigen Treffen und die Möglichkeit, eigene Texte einzureichen und konstruktives Feedback zu bekommen, waren sehr wertvoll. Man lernt, Kritik anzunehmen und daran zu wachsen. Gerade am Anfang hilft das enorm, die eigene Fragestellung zu schärfen und komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen.

 

Gibt es Anekdoten aus deiner Promotionszeit, die du gerne teilst?

Christian Geitner: Eine schöne Anekdote ist die Checkliste der Research School, mit Fragen wie: »Wie viel deiner Arbeit ist Forschung, wie viel Routine?« oder »Hast du schon einen Vortrag auf einer Fachkonferenz gehalten?« Einmal kam ein Kollege von einer Konferenz zurück und wurde gefragt, wie es war. Seine Antwort: »War auch fachlich ganz gut.« Das bringt es manchmal auf den Punkt – Konferenzen sind wichtig, aber auch der soziale Austausch gehört dazu.

 

Wie ging es nach der Promotion für dich weiter?

Christian Geitner: Ich bin bei Fraunhofer UMSICHT geblieben und arbeite weiterhin im Verbundprojekt Carbon2Chem®, mittlerweile in der dritten Phase. Mein Schwerpunkt liegt nach wie vor auf Modellierung und Simulation, inzwischen auch verstärkt mit datengetriebenen Ansätzen. Für mich war es eine bewusste Entscheidung, in der Forschung zu bleiben, obwohl einige Kolleginnen und Kollegen aus der Research School später in die Industrie wechseln.

 

Wie würdest du deine Arbeit jemandem erklären, der fachfremd ist?

Christian Geitner: Ich bin sozusagen »Berechnungsingenieur«. Ähnlich wie man berechnet, ob eine Brücke hält, kann man auch komplexe chemische Prozesse am Computer simulieren. Das ist oft kompliziert, aber Berechnungen sind ein wichtiges Puzzlestück für jede technische Anlage. Grob gesagt: Ich simuliere Prozesse am Computer, um herauszufinden, wie sie in der Praxis ablaufen müssten – ohne dass man die Anlage schon gebaut haben muss.

 

Hast du Tipps für zukünftige Doktorand*innen?

Christian Geitner: Unbedingt! Ein Spruch, den ich mal gehört habe und gerne weitergebe: Es gibt perfekte Arbeiten und es gibt fertige Arbeiten – setzt euch einen klaren Rahmen und bringt eure Arbeit zum Abschluss, statt immer noch ein weiteres Detail einzubauen. Erklärt eure Ergebnisse verständlich und klar, auch scheinbar Offensichtliches. So macht ihr eure Arbeit für andere nachvollziehbar und erhöht die Qualität.

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