Promotion
»Ich begleite die Research School wissenschaftlich und bin Sparringspartnerin für strategische Fragestellungen«
Die UMSICHT Research School feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung begleitet sie Doktorandinnen und Doktoranden auf dem Weg zur Promotion und sorgt für Austausch, Struktur und Unterstützung. Dass das Konzept aufgeht, zeigen die Zahlen: Rund 90 Promovierende haben das Programm bereits erfolgreich durchlaufen. Im Gespräch berichtet Initiatorin Prof. Dr.-Ing. Anna Grevé, wie alles begann – und was die UMSICHT Research School heute ausmacht.
Die Initiative zur Gründung der UMSICHT Research School ging von dir aus. Was war der Anlass?
Anna Grevé: Die Idee entstand damals im Rahmen eines Netzwerktreffens bei uns am Institut, als das Thema Personalentwicklung und die gezielte Förderung bestimmter Gruppen bei UMSICHT aufkamen. Mir fiel auf, dass die Doktorandinnen und Doktoranden zwar eine große Gruppe bilden, aber alle eher für sich arbeiten. Von der Universität kannte ich strukturierte Programme, die eine hohe Qualität und einen gemeinsamen Standard für alle Promovierenden schaffen. Das fand ich spannend, zumal ich selbst einige Jahre zuvor promoviert hatte und mir damals eine solche Basis gewünscht hätte.
Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der Personalentwicklung haben wir uns dann angeschaut, wie andere Research Schools aufgebaut sind, und die Bedürfnisse unserer eigenen Promovierenden erfragt. Daraus entstand unser Konzept, das von Anfang an auf Austausch, Unterstützung und eine zentrale Ansprechperson setzte.
Wie sah dieses Grundkonzept aus?
Anna Grevé: Das Grundkonzept bestand im Wesentlichen aus drei Bausteinen: Erstens haben wir ein Coaching-Angebot und einen Trainingsplan entwickelt, der auf Interviews mit unseren Doktorandinnen und Doktoranden sowie der Analyse anderer Research Schools basierte. Zweitens war uns wichtig, eine feste Koordinatoren-Rolle zu etablieren – also eine zentrale Ansprechperson, die die Promovierenden begleitet. Diese Rolle hat mein Kollege Volker Knappertsbusch übernommen. Drittens gehörten regelmäßige Gespräche und auch soziale Formate wie Doktorand*innentage, Weihnachtsmarktbesuche oder Sommergrillen dazu. Gerade beim Start, im Kick-off-Gespräch, geht Volker mit den neuen Promovierenden alle wichtigen Punkte durch – von der Anmeldung an der Uni bis hin zu organisatorischen Fragen. Dieses Konzept wurde sehr gut angenommen und bildet bis heute das Fundament der Research School.
Gab es Herausforderungen bei der Umsetzung?
Anna Grevé: Es gab schon einige Herausforderungen. Am Anfang mussten wir bei den Weiterbildungen immer schauen, ob wir überhaupt genug Teilnehmende zusammenbekommen, damit sich ein Angebot lohnt. Außerdem war oft unklar, welche Weiterbildungen wirklich gut sind – vieles haben wir zum ersten Mal ausprobiert und mussten dann bewerten, ob das sinnvoll war oder ob wir noch mal nach Alternativen suchen sollten.
Eine weitere Herausforderung war die Organisation, da die Zahl der Doktorandinnen und Doktoranden stark angestiegen war. Dies erforderte einen erheblichen Koordinationsaufwand, insbesondere für unseren Koordinator, der mehrere Wochen in die Durchführung von Statusbesprechungen investierte.
Und natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen Promovierende nicht so richtig vorankommen. Da ist dann die Frage, wie man sie trotzdem unterstützen kann, auch wenn wir für die inhaltliche Betreuung eigentlich nicht zuständig sind – das ist ja Aufgabe der Doktormütter und -väter sowie der direkten Betreuerinnen und Betreuer.
Hat sich das Grundkonzept in den vergangenen 10 Jahren verändert?
Anna Grevé: Das Grundkonzept hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt. Mit der Zeit sind zum Beispiel Exkursionen zu Unternehmen, Grillnachmittage und eine gemeinsame Plattform dazugekommen, die wir auch ins Intranet gebracht haben. Wir haben eigentlich permanent daran gearbeitet, die UMSICHT Research School weiterzuentwickeln – immer auf Basis der Erfahrungen, die wir gesammelt haben. Gerade am Anfang war das Programm noch recht überschaubar, weil es einfach weniger Leute waren. Mit dem Wachstum der Gruppe mussten wir dann auch immer wieder nachschärfen und die Struktur anpassen. Früher gab es zum Beispiel Bereichsdoktorandentage, heute setzen wir stärker auf unsere Fokusthemen Circular Economy, Carbon Management, Green Hydrogen und Local Energy Systems. Insgesamt haben wir also immer geschaut, wie wir die Research School an neue Rahmenbedingungen und Bedürfnisse anpassen können.
Wie wird die UMSICHT Research School organisatorisch umgesetzt und wie flexibel ist die Teilnahme gestaltet?
Anna Grevé: Organisatorisch läuft es so, dass Volker das Kick-off-Gespräch nach wie vor am liebsten persönlich macht, weil das für das Kennenlernen einfach wichtig ist. Die anschließenden Statusgespräche können aber problemlos digital stattfinden, was es gerade für Doktorandinnen und Doktoranden an unseren Standorten Sulzbach-Rosenberg oder Willich viel einfacher macht. Einmal im Jahr fährt Volker auch dorthin, führt Gespräche und organisiert zum Beispiel einen Grillnachmittag, um präsent zu sein.
Die Doktorandentage stehen allen offen, für Doktorandinnen und Doktoranden ist die Teilnahme verpflichtend. Die Teilnahme an der Forschungsschule ist ein integraler und obligatorischer Bestandteil des Doktoratsstudiums an der UMSICHT. Gleichzeitig gestalten wir die Inhalte so flexibel wie möglich und passen sie individuell an die Bedürfnisse und Voraussetzungen unserer Doktorandinnen und Doktoranden an. Es gibt keine starre Liste von Veranstaltungen, die alle gleichermaßen absolvieren müssen. Vielmehr schauen wir gemeinsam, welche Angebote im jeweiligen Fall sinnvoll sind. So braucht etwa ein Muttersprachler keinen zusätzlichen Englischkurs. Ich glaube, dieses flexible Angebot und gerade die regelmäßigen Statusgespräche werden sehr gut angenommen, weil sie Raum für Reflexion und individuelle Unterstützung bieten.
Wie bist du inzwischen eingebunden?
Anna Grevé: Inzwischen bin ich vor allem bei strategischen Themen rund um die UMSICHT Research School eingebunden. Das Tagesgeschäft macht Volker gemeinsam mit der Personalentwicklung, insbesondere mit Jana Rolshoven. Wenn es aber um größere Diskussionen oder die Weiterentwicklung des Konzepts geht, bin ich immer dabei – zuletzt auch häufiger in einer größeren Runde, um verschiedene Perspektiven einzubringen. Man könnte sagen, ich begleite die Research School wissenschaftlich und bin Sparringspartnerin für strategische Fragestellungen. Außerdem bin ich bei einigen Doktorandinnen und Doktoranden als Zweitgutachterin eingebunden. Dadurch habe ich weiterhin Kontakt zu den Promovierenden und versuche auch, bei möglichst vielen Doktorandentagen dabei zu sein, um mitzubekommen, was dort läuft.
Wie hat sich die Research School auf andere Institute und die Fraunhofer-Gesellschaft ausgewirkt?
Anna Grevé: Die Wirkung auf andere Institute und die Fraunhofer-Gesellschaft war ganz unterschiedlich. Vieles lief am Anfang über persönliche Kontakte – zum Beispiel, wenn jemand aus einem anderen Institut Volker kannte und gefragt hat: »Hey, ich habe gehört, ihr macht da sowas, kannst du uns mal erzählen, wie das läuft?« Das war eher Mundpropaganda, sodass das Konzept zufällig bei anderen Instituten gelandet ist. Mit der Zeit hat sich das dann verselbständigt: Immer mehr Institute haben mitbekommen, dass andere so eine Research School haben, und wurden dann an uns verwiesen. Irgendwann hat dann auch die Fraunhofer-Gesellschaft das Thema aufgegriffen und angefangen, es strukturiert anzugehen. Da gab es dann plötzlich viele neue Angebote wie Betreuungsvereinbarungen oder spezielle Schulungen für Promovierende und Betreuende. In dieser konzeptionellen Phase waren wir auch eingebunden, zum Beispiel als Sparringspartner, und Volker hat bei den ersten zentralen Events vorgestellt, wie wir das bei uns machen.
Gibt es besondere Anekdoten oder Erinnerungen aus der Anfangszeit der Research School?
Anna Grevé: Da gibt es tatsächlich ein paar schöne Erinnerungen. Ich weiß noch, wie wir am Anfang versucht haben, ein Logo für die Research School zu entwerfen – wir hatten so einen stilisierten Doktorhut, aber irgendwie sah das eher aus wie das Logo eines Dating-Portals. Wir haben auch kurz überlegt, ob wir ein Maskottchen einführen. Aber das haben wir dann doch wieder verworfen.
Besonders gefreut hat mich immer das positive Feedback von den Doktorandinnen und Doktoranden. Natürlich war es auch schön, wenn die Betreuenden gesagt haben, dass sie das Gefühl haben, die Promovierenden sind organisatorisch gut aufgestellt – aber letztlich ist die Research School ein Programm für Doktorandinnen und Doktoranden.
Letzte Änderung:
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT