Mikroplastik

Positionspapier

Hintergrund

Schlagzeilen wie »Mikroplastik überfordert Kläranlagen«[1], »Plastikteilchen in Lebensmitteln gefunden«[2], »Winzige Plastikteilchen verunreinigen Trinkwasser«[3] zeigen, dass das Thema Mikroplastik in der öffentlichen Diskussion immer größeren Raum einnimmt. Um zu vermeiden, dass aufgrund fehlender Informationen und Erkenntnisse auf Spekulationen und unbewiesene Annahmen zurückgegriffen wird, ist wissenschaftliche Forschung auf diesem Themengebiet unerlässlich.

Nach Ansicht von Fraunhofer UMSICHT ist es dringend notwendig, das Thema Mikroplastik intensiver wissenschaftlich aufzugreifen. Die mit steigender Kunststoffproduktion und ungeregelter Entsorgung einhergehende Zunahme von Mikroplastik in der aquatischen Umwelt kann sich zu einem gravierenden Problem für Mensch und Natur entwickeln. Dies erfordert die frühzeitige Entwicklung nachhaltiger Lösungen.

[1] Spiegel online Wissenschaft: »Schadstoffe: Mikroplastik überfordert Kläranlagen«, Oktober 2014
[2] NDR, Sendung »Markt«: »Plastikteilchen in Lebensmitteln gefunden« vom Juli 2014
[3] Die Welt online: »Winzige Plastikteilchen verunreinigen Trinkwasser«, September 2013

Notwendige Schritte

  • Vermeidung des Plastikeintrags in Ökosysteme durch weltweiten Ausbau geeigneter Erfassungs- und Sammelsysteme und logistische Optimierung bei Umschlag und Transport
  • Entwicklung von biobasierten Materialien, die sich in den jeweiligen Umweltkompartimenten in sinnvollen Zeiträumen kaskadenartig abbauen (z. B. für Kosmetik- und Reinigungsartikel oder Verpackungen)
  • Entwicklung technischer Verfahren zur Reduzierung des Mikroplastikeintrags, z. B. durch Verwendung von Filtrationstechniken an Eintragsquellen (Kläranlagen, Waschmaschinen etc.)
  • Standardisierung von Untersuchungsmethoden
  • Austausch und Information zwischen Wissenschaft, Industrie und Öffentlichkeit
  • Sensibilisierung und Änderung des Konsumentenverhaltens in Bezug auf Kunststoffe durch wissenschaftlich fundierte und verständliche Kommunikation des Themas
  • Schaffung von Anreizen, nicht nur zur Verringerung des Kunststoffeintrags, sondern auch zur aktiven Entfernung von Kunststoffen aus der Umwelt, z. B. durch Ausbau von sogenannten Polymer-Harvest-Systemen in Flüssen und Meeren für Fischerei und Fangflotten, Durchführung von Plastikabfall-Sammelaktionen etc.

Mikroplastik

Laut Definition der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (ONAA) und gemäß internationalem wissenschaftlichem Konsens werden Kunststoffpartikel mit einer Teilchengröße unter 5 mm als Mikroplastik bezeichnet [4]. Eine grundlegende Unterteilung erfolgt in primäres und sekundäres Mikroplastik.

Zum primären Mikroplastik zählen industriell hergestellte Formkörper aus Kunststoff. Eine Sorte primären Mikroplastiks sind die sogenannten »microbeads«, kugelförmige Mikrokunststoffe, welche z. B. in Hygieneartikeln wie Duschgelen oder Peelings Anwendung finden. Eine weitere Sorte sind sogenannte »resin pellets«, zylinderförmiges Plastikgranulat, welches als Rohmaterial für die Herstellung von Kunststoffprodukten verwendet wird. Diese Pellets werden häufig mit großen Containerschiffen transportiert und können durch Umladeprozesse, Havarien oder illegale Entsorgung in die Gewässer gelangen.

Zum sekundären Mikroplastik zählen Kunststofffragmente und Mikrokunststofffasern. Die Fragmente entstehen in Gewässern und an Land durch mechanische Beanspruchung und Einwirkung von UV-Strahlung auf größere Kunststoffteile wie z.B. Verpackungen, Plastiktüten oder Gebrauchsgegenstände aus Kunstsoff. Die Mikrofasern stammen aus synthetischer Kleidung, lösen sich beim Waschen und emittieren mit dem Ablauf der Waschmaschine in den Wasserkreislauf.

[4] http://www.unep.org/yearbook/2013/pdf/Microplastic_english.pdf