Die Energiewende führt zu einem tiefgreifenden Wandel der Energiewirtschaft, der Stadtwerke in besonderem Maße betrifft. Ihre Rolle verändert sich grundlegend: Vom klassischen Energielieferanten entwickeln sie sich zum Infrastruktur-Dienstleister, der Strom, Wärme, Mobilität und Daten intelligent miteinander verknüpft. Als zentrale Ansprechpartner und Know-how-Träger für die lokale Energiewende vernetzen sie Akteure vor Ort, bieten ihren Kunden neue Dienstleistungen und Beratungsangebote an und setzen Flexibilitätstechnologien ein, um ein zunehmend dezentrales Energiesystem zu ermöglichen. Ihr Portfolio wird breiter, digitaler und vernetzter. Dekarbonisierung ist in diesem Kontext nicht allein auf die Defossilisierung der Energieversorgung beschränkt, sondern beschreibt die umfassende Weiterentwicklung von Organisation, Kompetenzen und Geschäftsmodellen, die Stadtwerke zur aktiven Gestaltung der lokalen Energiewende befähigt.
Um Stadtwerke bei dieser Transformation zu unterstützen und ein sowohl systematisches als auch ganzheitliches Vorgehen zu ermöglichen, werden in »Roadmap.SW« praxiserprobte Methoden und Materialien entwickelt. Mit ihrer Hilfe können Stadtwerke schnell und strukturiert ihren Status quo ermitteln sowie daraus konkrete Handlungsfelder und Maßnahmen ableiten.
Reifegrad-Ermittlung zur Ableitung von Handlungsfeldern
Ein erster Schritt jeder Transformation ist eine systematische Standortbestimmung. Dazu wurde im Projekt das Reifegradmodell »SW.Check« speziell für Stadtwerke entwickelt. Es funktioniert nach dem Fragebogenprinzip: In einem Online-Self-Assessment werden die Fähigkeiten bewertet, die ein zukunftsfähiges Stadtwerk – das sogenannte »Stadtwerk der Zukunft« – auszeichnen. Als Ergebnis werden sowohl ein Gesamtreifegrad als Mittelwert aller bewerteten Fähigkeiten als auch differenzierte Teilreifegrade je Anwendungsbereich (Vertrieb, Einkauf und Verwaltung, Energieerzeugung, Stromnetze) und Fokusbereich (Dekarbonisierung, Digitalisierung, übergeordnete organisationale Faktoren) ausgegeben. Diese differenzierte Auswertung ermöglicht es, Muster zu erkennen, Stärken und Schwächen sichtbar zu machen und Handlungsfelder gezielt abzuleiten und zu priorisieren – idealerweise im Rahmen eines gemeinsamen Workshops.
Maßnahmen ableiten und zu einer Roadmap zusammenführen
Im weiteren Projektverlauf wurden konkrete Maßnahmen erarbeitet, die darauf abzielen, einzelne oder mehrere Fähigkeiten aus dem Assessment weiterzuentwickeln. Diese Maßnahmen sind in Steckbriefen dokumentiert und können nach verschiedenen Kriterien gefiltert werden. Auf diese Weise können Stadtwerke passende Umsetzungsschritte für ihre individuelle Situation auswählen und zu einer Roadmap zusammenführen.
Gemeinsam mit Stadtwerken entwickelt und erprobt
Die Praxistauglichkeit stand während der gesamten Projektlaufzeit im Mittelpunkt. Sämtliche im Reifegradmodell enthaltenen Fähigkeiten sowie deren Abstufungen wurden gemeinsam mit Stadtwerken diskutiert und validiert. Über das Stadtwerkenetzwerk ASEW und die Ideenstadtwerke als Projektpartner wurde die Stadtwerkeperspektive kontinuierlich in die Entwicklung eingebracht. Das vollständige Assessment – einschließlich Auswertung, Ableitung von Handlungsfeldern und Roadmapping – wurde in drei Pilotstadtwerken angewandt. Das dabei gewonnene Feedback ist unmittelbar in die Überarbeitung und Weiterentwicklung des Assessments eingeflossen.