Die Wärmeversorgung in Deutschland soll von fossil auf klimaneutral umgestellt werden. Den Rahmen für diese Transformation bilden das Wärmeplanungsgesetz (WPG) und das Landeswärmeplanungsgesetz NRW (LWPG). Auf ihrer Basis erstellen Kommunen flächendeckend Wärmepläne als strategische Grundlage für die klimaneutrale Wärmeversorgung. Allerdings: Häufig werden diese Pläne gemeindeweise erarbeitet. Dabei lassen sich viele Umsetzungsfragen auch regional beantworten – zum Beispiel mit Blick auf Abwärmenutzung aus Industrie oder Kläranlagen, Wärmenetzausbau oder auch die strukturelle Einbindung von Akteuren wie dem Handwerk oder auch Bürgerinnen und Bürger.
Kommunale Wärmepläne gemeinsam denken
Genau hier setzt das Projekt mit seiner koordinierend-regionalen Perspektive an: Fraunhofer UMSICHT und der Region Köln/Bonn e.V. führen die kommunalen Wärmepläne der Region mit ihren rund 3,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, urbanen und ländlichen Teilräumen sowie energieintensiven Wirtschaftsstandorten zusammen. Anschließend werden sie GIS-gestützt mit Infrastruktur- und Potenzialdaten verschnitten, um regionale Kooperationsräume zu identifizieren.
Der Mehrwert des Projekts liegt in der Verbindung von kommunaler Fachplanung, regionaler Daten- und Potenzialanalyse, Akteurskoordination und konkreter Umsetzungsvorbereitung. Wärmepläne können so über das Planungsdokument hinaus tatsächlich investitionsfähige Projekte anstoßen. Beispielsweise kann eine Wärmequelle in Kommune A mit einer Wärmesenke in Kommune B verknüpft werden, oder mehrere kleinere Kommunen können gemeinsame Dienstleister und Betreibermodelle nutzen.
Technologische Optionen für die klimaneutrale Wärmeversorgung
Im Projekt wird ein breites Spektrum erneuerbarer und abwärmebasierter Optionen betrachtet. Dazu zählen industrielle und gewerbliche Abwärme, Potenziale aus Abwasser und Kläranlagen, Flusswärme (z. B. aus dem Rhein), oberflächennahe und tiefe Geothermie, Solarthermie, Biomasse sowie Großwärmepumpen und saisonale Wärmespeicher. Durch den regionalen Ansatz lassen sich auch Potenziale erschließen, die auf Ebene einzelner Kommunen nicht wirtschaftlich oder technisch umsetzbar wären. Neben technischen Lösungen stehen dabei auch organisatorische und kommunikative Synergien im Fokus.
Akteursbeteiligung und Wissenstransfer
In einem partizipativen Prozess mit Kommunalverwaltungen, Stadtwerken, Netzbetreibern, Forschungseinrichtungen, Finanzierern, der Handwerkskammer und weiteren Fachakteuren identifizieren die Projektpartner regionalspezifische Fragestellungen. Praxiserfahrungen aus der Steuerung und Umsetzung der Wärmewende werden gebündelt und über neue Formate anschaulich vermittelt – vom Fernwärmeausbau in Köln bis hin zu bürgerschaftlich organisierten Nahwärmenetzen im ländlichen Raum.
Einordnung in die regionale Strategie
Das Projekt ist Teil der regionalen Transformations- und Strukturpolitik im Agglomerationsprogramm der Region Köln/Bonn. Es verbindet Klimaschutz, Energieinfrastruktur, Regionalentwicklung und wirtschaftliche Aspekte und stärkt so die Verzahnung zwischen kommunaler Fachplanung und regionaler Umsetzungsstrategie.