Promotion
»Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse war: Struktur und Verbindlichkeit sind entscheidend.«
Die UMSICHT Research School begleitet Promovierende seit zehn Jahren dabei, ihre Forschung strukturiert voranzubringen und sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln. Dass dieses Konzept trägt, zeigen sowohl die vielen erfolgreichen Doktorinnen und Doktoren als auch die beruflichen Wege der Alumnae und Alumni. Eine davon ist Dr.-Ing. Katja Buß – inzwischen Circle Lead des Bereichs Modultesting bei Voltavision, einem Prüfdienstleister für Hochvolt-Batterien. Im Interview berichtet sie, warum sie sich für eine Promotion bei Fraunhofer UMSICHT entschieden hat, wie sie die Anfänge der UMSICHT Research School aktiv mitgestaltet hat – und wie sie heute ihre Forschungserfahrung in der industriellen Praxis einbringt.
Warum hast du dich entschieden, deine Promotion bei Fraunhofer UMSICHT zu realisieren?
Katja Buß: Eigentlich hat das schon mit meiner Masterarbeit angefangen. Ich habe mich damals initiativ bei Fraunhofer UMSICHT für eine Abschlussarbeit beworben und bin dann im Batterielabor gelandet. Das Thema – Elektrofahrzeuge und Reichweite – war sehr spannend und hatte einen hohen Praxisteil.
Während der Masterarbeit habe ich dann gemerkt, wie viel Spaß mir das Forschen macht und wie gerne ich tiefer in ein Thema einsteige. Das Batterielabor ist in dieser Zeit immer weiter gewachsen, und es kamen neue Themen wie Redox‑Flow-Batterien und Lithium-Ionen-Batterien dazu. Irgendwann war klar: Da gibt es noch so viele offene Fragen rund um Lithium-Ionen-Batterien – das möchte ich weiterverfolgen. So ist dann der Entschluss zur Promotion entstanden.
Was war dein Thema und was war das wichtigste Ergebnis?
Katja Buß: In meiner Dissertation ging es um stationäre Batteriespeicher in regenerativen Energiesystemen. Also zum Beispiel um Batterien, die Wind‑ und Solarstrom zwischenspeichern sollen.
Vereinfacht gesagt: Ich habe eine statistische Methode entwickelt, mit der sich reale Last‑ und Leistungsprofile, die oft über ein ganzes Jahr laufen und sehr komplex sind, so verdichten lassen, dass man daraus standardisierte Zyklen ableiten kann. Diese Zyklen habe ich im Labor auf reale Lithium‑Batterien angewendet und die resultierenden Belastungen für die Batterien verglichen und analysiert. Auf Basis meiner Ergebnisse ließ sich besser beurteilen, welche Anwendungsfälle Batterien besonders stark beanspruchen – etwa Insellösungen, unterbrechungsfreie Stromversorgung oder Netzausgleich.
Wie hat dich die UMSICHT Research School bei deiner Arbeit unterstützt?
Katja Buß: Ganz konkret über ein Promotions‑ und Schreibcoaching, das wir damals selbst mit angestoßen haben. Gemeinsam mit einem Kollegen habe ich auf einem externen Seminar unseren späteren Coach kennengelernt – und wir dachten sofort: Das brauchen wir für unsere Dissertationen. Wir haben ihn ans Institut geholt und eine feste Gruppe für die Doktorandinnen und Doktoranden aufgebaut. Das Besondere war die Struktur: klare Ziele, feste Abgabetermine, regelmäßige Treffen und sehr ehrliches Feedback. Das war anstrengend, aber extrem hilfreich.
Was waren wichtige Erfahrungen, die du während deiner Doktorarbeit gesammelt hast?
Katja Buß: Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse war: Struktur und Verbindlichkeit sind entscheidend. Im Coaching wurde alles transparent gemacht. Wie weit bist du mit Einleitung, Hauptteil, Veröffentlichungen? Was hast du dir bis zum nächsten Treffen vorgenommen?
Außerdem habe ich gelernt, mit Feedback umzugehen. Texte wurden in der Gruppe regelrecht auseinandergenommen. Das kostet Überwindung, aber am Ende waren die Texte deutlich besser. Diese Herangehensweise – Aufgaben zerlegen, Fortschritte sichtbar machen – nutze ich bis heute.
Gibt es Anekdoten, die du nach wie vor gerne erzählst?
Katja Buß: Eine meiner liebsten Geschichten ist tatsächlich, dass wir als Doktorandinnen und Doktoranden selbst den Anstoß für das Promotionscoaching gegeben haben. Wir haben den Coach einfach nach einem Seminar gefragt, ob er das nicht auch bei uns machen möchte. Dass daraus ein langfristiges Angebot wurde, das es heute noch gibt, finde ich ziemlich schön. Und ich erinnere mich auch gerne an die Abende nach der regulären Arbeit: drei Stunden Schreibcoaching, Texte »bashen«, viel lachen – und danach trotzdem motiviert nach Hause gehen.
Wo bist du beruflich inzwischen gelandet?
Katja Buß: Ich bin seit Januar 2018 bei Voltavision in Bochum, einem großen Testlabor für Elektrofahrzeugbatterien. Dort bin ich im Bereich Modultesting tätig – also genau an der Schnittstelle zwischen Batterie-Zelle und komplettem Batterie‑Pack. Was als kleines Start-up mit rund 25 Mitarbeitenden begonnen hat, ist inzwischen auf etwa 160 Personen gewachsen. Ich verantworte heute einen Bereich mit 16 Mitarbeitenden und rund 40 Prüfständen. Rückblickend passt das thematisch perfekt zu meiner Masterarbeit und meiner Dissertation.
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Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT