Promotion

»Die UMSICHT Research School hat alle Doktorandinnen und Doktoranden des Instituts miteinander vernetzt«

Interview /

Die UMSICHT Research School begleitet Nachwuchsforschende auf ihrem Weg zur Promotion und schafft Raum für Austausch, Struktur und Unterstützung – und das seit zehn Jahren. Im Interview berichtet Dr. Dr. Alina Gawel, wie sie durch die Research School sowohl fachlich als auch persönlich gewachsen ist – und warum Geduld, Frustrationstoleranz und Teamgeist für den wissenschaftlichen Alltag unverzichtbar sind.

Alina Gawel
Dr. Dr. Alina Gawel arbeitet inzwischen als Assistant Production Manager bei Evonik.

Warum hast du dich entschieden, deine Doktorarbeit bei Fraunhofer UMSICHT zu schreiben?

Alina Gawel: Für mich waren die entscheidenden Faktoren das Forschungsthema und der Standort. Ich komme aus Nordrhein-Westfalen und wollte nach meinem Master an der Universität Leipzig gerne wieder dorthin zurück. Zudem war es mir bei meiner Forschung wichtig, anwendungsorientiert zu arbeiten, sodass ich potenziell einen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten kann.

 

Was war dein Thema und was das wichtigste Ergebnis?

Alina Gawel: In meiner Forschung habe ich mich mit der Elektrodenentwicklung für die Kohlenstoffdioxid-Elektrolyse beschäftigt. CO2 zu elektrolysieren ist relativ kompliziert, da es sich dabei um ein Gas handelt und man dieses irgendwie ausreichend gut in Kontakt mit der Elektrode und dem flüssigen Elektrolyten, der den elektrischen Strom leitet, in Kontakt bringen muss. Bisher werden dafür teure und wenig stabile Kohlenstoffmaterialien verwendet. In meiner Doktorarbeit habe ich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von Fraunhofer UMSICHT Elektroden auf Basis von Stahlnetzen und Teflonmembranen entwickeln können.

 

Wie hat dich die UMSICHT Research School bei deiner Arbeit unterstützt?

Alina Gawel: Ich fand das Promotionscoaching sehr hilfreich, in dem regelmäßig gemeinsam mit anderen Doktorandinnen und Doktoranden auf den Fortschritt der Arbeit geschaut wurde. Hierdurch konnten wir früh identifizieren, wenn etwas aus dem Zeitplan lief. Ausserdem hat die Research School alle Doktorandinnen und Doktoranden des Instituts miteinander vernetzt. Dieser Austausch ist extrem wertvoll: Irgendjemand hat immer einen guten Tipp, wenn man vor Herausforderungen steht.

 

Was waren wichtige Erfahrungen, die du während deiner Doktorarbeit gesammelt hast?

Alina Gawel: Es liegt im Kern der Wissenschaft, dass man sich auf unbekanntem Terrain bewegt und dementsprechend Dinge schiefgehen. Viele Dinge. Und das ist okay. Eine gewisse Frustrationstoleranz und Geduld gehören also dazu. Ich musste mich auch von dem Gedanken verabschieden, dass es eine feste Vorgehensweise und eine bestimmte Art und Weise gibt, um Dinge richtig zu machen. Wissenschaft ist Pionierarbeit, und dabei findet man eben erst heraus, wie ein gewisser Aufbau oder Ablauf am besten funktioniert. Und: Die engsten Freundschaften bilden sich an langen Abenden im Labor, an denen nichts zu funktionieren scheint, mit den Mitdoktorandinnen und Mitdoktoranden.

 

Gibt es Anekdoten, die du nach wie vor gerne erzählst?

Alina Gawel: Tatsächlich habe ich damals die zündende Idee, wie ich meine Elektroden designen muss, damit sie funktionieren, im Schlaf gehabt: Ich habe es geträumt, am nächsten Tag ausprobiert – und es war ein Erfolg! An die Geschichte, wie wir mit einer Gruppe Doktorandinnen und Doktoranden im Festzelt des Oberhausener Weihnachtsmarkts freundlich gebeten wurden, nicht auf den Tischen zu tanzen, erinnere ich mich aber auch immer noch gerne. Nicht alle Forschenden sind introvertiert.

 

Wo lagen Herausforderungen? Und wie hast du sie überwunden?

Alina Gawel: Die Wissenschaft ist ein hierarchisches System, deine Forschung und deine Entscheidungen gehören aber zu dir. Es erfordert manchmal ganz schön viel Durchsetzungsvermögen, wenn man sich mit einem seiner Betreuer oder Vorgesetzten nicht einig ist. Zum Glück steht man nie alleine und neben dem Austausch mit den Mitdoktorandinnen und Mitdoktoranden bekommt man bei Fraunhofer UMSICHT auch mehr Hilfe, um so eine schwierige Situation zu einer Lösung zu bringen, mit der alle Leben können – zum Beispiel durch die Research School.

 

Inwiefern hat die UMSICHT Research School deinen Karriereweg beeinflusst?

Alina Gawel: Wissenschaftliche Exzellenz ist das eine, aber sowohl in der Wissenschaft als auch in der freien Wirtschaft reicht das alleine nicht aus. Die Research School vermittelt auch nötige Soft Skills wie Projektmanagement und Leitungsqualitäten, die mir nach der Promotion zugutekamen.

 

Welche Tipps hast du für die aktuellen und zukünftigen Doktorand*innen bei Fraunhofer UMSICHT?

Alina Gawel: Fangt gleich zu Beginn eurer Arbeit an, Ordnung in euren Daten zu halten (vor allem die Literatur von Anfang an ordentlich mit Hilfe geeigneter Software katalogisieren), und legt das Dokument für eure Doktorarbeit an. Hier könnt ihr während der Arbeit schon eure Zwischenergebnisse eintragen und euer Vorgehen beschreiben. Das senkt die Hemmschwelle am Ende enorm, denn im Endeffekt ist die Doktorarbeit dann schon fertig, ihr müsst sie nur noch ein bisschen ins Reine schreiben.

 

Wo bist du beruflich inzwischen gelandet?

Alina Gawel: Ich hatte das Glück, direkt nach meiner Promotion eine Stelle in der Technologieentwicklung bei Evonik zu bekommen. Mittlerweile hat mich mein Weg bei Evonik in die Niederlande geführt, wo ich im Produktionsmanagement einer Fabrik für Wasserstoffperoxid arbeite.

Letzte Änderung: